Mobiltelefonie 0.1 – Als das Handy noch ein Telefonhüttl war …

06-01-2026 | (Text Herbert Koeppel, Foto: Fotograf:In umbekannt, Abgebildet Heinrich Tauscher - Sammlung Koeppel)


Man stelle sich vor, es ist 1975. Du möchtest deine Freunde informieren, dass du dich zum Fondue-Abend verspätest. Du ziehst nicht einfach dein Smartphone aus der Hosentasche – nein, du begibst dich auf die Suche nach einem „Telefonhüttl“.


Das Endgerät: Also das Telefon mit allem Drum und Dran – die gesamte Telefonzelle, wie sie auch genannt wurde – wog ca. eine halbe Tonne, bestand aus Glas, Beton und etwas einfacher Technik und war fest im Boden verankert.

Die Flatrate: Gab es auch – sofern man genug Groschen oder Schillinge dabei hatte. War man beim Nachwerfen nicht schnell genug, wurde man gnadenlos mit einem mechanischen „Tüt-tüt-tüt“ aus der Leitung geworfen. Nicht umsonst wurde der öffentliche Münzapparat auch gerne als „Groschengrab“ bezeichnet.

Die Privatsphäre: War beim eigentlichen Telefonieren mehr gegeben als heute. In Sachen Diskretion war das Hüttl dem heutigen „Public Calling“ weit überlegen – Außenstehende wurden nicht ungefragt akustisch am Gespräch beteiligt. Richtige Intimität gab es im "Hüttl" aber meist nur bei beschlagenen Scheiben. Andere Zeitgenossen, die auch dringend telefonieren wollten, machten sich dann manchmal durch ungeduldiges Klopfen gegen die Glasscheiben bemerkbar.

Die Suchmaschine: Sollte es tatsächlich vorkommen, dass man eine Nummer nicht im Kopf hatte, war das auch kein Problem – denn im zerfledderten, meist mit Notizen und Kritzeleien verzierten Telefonbuch wurde man fündig.

Die Leistung: Im Gegensatz zu heute hielt der „Akku“ ewig, da die Telefonzelle ja am Stromnetz der Stadt hing. Die Mobilität endete allerdings exakt mit der Länge des Spiralkabels.

Also wer braucht schon 5G, wenn man ein solides Telefonhüttl bei der Hand hat?