Fotografische Aufnahmen, die vor meiner Geburt entstanden sind, haben in den letzten Jahren begonnen, eine besondere Art der Faszination auf mich auszuüben. Fremde Personen in aus der Zeit gefallener Kleidung, alte Verkehrsmittel und all die alten Häuser, die verschwunden sind – aber auch diejenigen, die sich heute noch an Ort und Stelle befinden –, sind ein unwiderlegbarer Beweis: Diese Menschen, Gebäude und Orte haben tatsächlich existiert und waren mit Leben erfüllt. All die vergangenen Momente sind im Augenblick des Gestern angehalten, und doch wird man das Gefühl nicht los, dass das Leben, die Szenerie auf den Bildern, jeden Moment weitergehen könnte.
Begonnen hat eigentlich alles mit dem fotografischen Nachlass meines Onkels; den letzten Anstoß zum Sammeln hat dann eine Ausstellung mit alten Fotografien der 1970er-Jahre gegeben. Vintage Prints, Glasplattennegative, Negative, Dias vom Rollfilm bis zum Kleinbild in Schwarz-Weiß, aber auch in Farbe, finden seitdem immer wieder den Weg in meine Sammlung. Das Sichten, das Digitalisieren und die Recherche zu einzelnen Fotografien sind spannend und lehrreich.
An vielen dieser Ausgangsmaterialien hat die Zeit unübersehbar ihre Spuren hinterlassen. Auf dem Weg vom Original bis hin zum Photo/FineArt-Reprint bessere ich nur behutsam die gröbsten Makel aus. Die Ausgangsmaterialien stammen aus vergangenen Zeiten, das darf man auch sehen – selbst auf meinen modernen Photo/FineArt-Reprints und die gibt es auch zu kaufen. Denn die Orginale in den unterschiedlichsten Formen gebe ich nicht mehr her.