Florianer Lauf · 5 km Hauptlauf
4. Juli 2026
Countdown
Gewicht
18.05.26 / 88kg - Am späteren Nachmittag geht es raus. Es ist angenehm warm. Das Programm ist übersichtlich: 400 m zügiges Gehen wechseln sich mit 400 m Laufen. Gehen, Laufen, Gehen, Laufen. Nach einer guten Stunde sind 5 km zusammengekommen. Hinterher Abwärmen, Dehnen, Liegestütze, Sit-ups. Und nach der Dusche noch Franzbranntwein. Wer das kennt, weiß, dass es funktioniert und es ist ein Körpergefühl der besonderen Art.
Ganz wichtig: der alte Akku des Nanos hält auf alle Fälle mal eine Stunde. So wie früher ist das Laufen für mich untrennbar mit Musik verbunden. Akustisches Doping, wenn man so will. Ohne Musik läuft bei mir wenig. Der Florianerlauf hat meinen alten goldgelben iPod Nano reaktiviert, beziehungsweise den noch kleineren grünen. Geräte, die seit Jahren geschlummert hatten und offenbar nur auf einen guten Grund gewartet haben.
Was ich höre? Erschreckend einfach: Rocky IV. "Training Montage", "Hearts on Fire", "No Easy Way Out", "War" in Schleife. An manchen Stellen verleiten sie zu einem schnelleren Tempo. Genau das dann bewusst nicht zu tun erzeugt eine ganz eigene Konzentration. Und immerhin: eines dieser Lieder hat mich nach 42,195 km beim Wiener Marathon noch ziemlich flott ins Ziel laufen lassen. Manche Dinge funktionieren einfach. Warum, ist dabei vollkommen egal.
02.5. - 10.05.26 - Die Taugl-Abenteuerwoche war eine Woche wie geschaffen, um in Sachen Bewegung fast täglich am Ball zu bleiben. Auch beim Essen hat es geklappt. Wieder daheim zeigt die Waage 89 kg.
27.04.26 / 90kg - Die ersten sind meistens die leichtesten. Das gilt beim Laufen für die ersten Kilometer, und es gilt offenbar auch für die ersten Kilogramm. Trotzdem freut es mich. Die analoge Nadel bewegt sich in die richtige Richtung.
20.04.26 / 92kg - Nach drei Kilometern flottem Gehen, einer Dusche und einem ernüchternden Blick auf die Waage, die unbarmherzig 92 kg anzeigte, war aus dem halbherzigen Wunsch beim Florianerlauf mitzumachen ein unbedingtes Muss geworden. Das Gewicht muss runter. Die Gelenke werden heuer 55 Jahre alt und müssen noch eine Weile halten, auch abseits des Laufens. Anders essen, weniger essen, regelmäßiger schlafen, deutlich mehr Bewegung. Keine großen Geheimnisse. Nur Dinge, die man weiß und trotzdem lange nicht tut. Die darauffolgenden Tage habe ich mit schnellen Spaziergängen verbracht. Der Fußweg zum Bus trägt nun bewusst mehr zum Kalorienverbrauch bei als zuvor. Gegessen wird nur noch eine Portion pro Mahlzeit, morgens und abends kommt frisches Obst auf den Tisch.
Irgendwann stellte ich fest, dass ich ganz passabel beim Laufen war. Die erste Erinnerung daran dreht sich um einen Lauf rund um den Bunker im Esterházy-Park in Wien-Mariahilf. Wann genau das Laufen zur Gewohnheit wurde, kann ich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen.
In meiner Zettelwirtschaft von früher findet sich jedenfalls noch eine Urkunde zur Teilnahme am 6. Wiener Frühlingslauf über 14,5 km am 16. April 1989. Für diese Strecke benötigte ich laut Urkunde 61 Minuten, mit 18 Jahren also bereits lange genug dabei, um mir einen Wettkampf zuzutrauen. Das Laufen hat mich dann noch eine Weile begleitet. Im selben Fundus liegt eine zweite Urkunde: Teilnahme am Marc-Aurel-Marsch und Lauf über 60 km am 10. September 1993, absolviert in 7 Stunden 23 Minuten. Das Laufen lag mir. Es machte Spaß. Auch beim Bundesheer konnte ich regelmäßig laufen. Wer bestimmte Strecken unter einer vorgegebenen Zeit schaffte, bekam zusätzliche freie Tage. Ein System, das ich schätzte.
Ob die 60 km damals als Vorbereitung für den Wiener Marathon im darauffolgenden Jahr gedacht waren, weiß ich heute nicht mehr. Was ich noch weiß: Ich bin nach diesem Lauf nach Hause gekommen und bin, so wie ich war, Laufschuhe inklusive, unter die Dusche gegangen. Manchmal sagt ein Detail mehr als jede Auswertung.
Am 10. April 1994 lief ich meinen ersten und letzten Marathon. 42,195 km, Wien. Trainiert hatte ich auf ein Wochenpensum von 70 km, mit dem Ziel, die Strecke in vier Stunden zu bewältigen. Der Plan ist, wenn auch knapp, aufgegangen: laut Marathon Austria benötigte ich 3 Stunden 57 Minuten und 9 Sekunden. Irgendwo im Fundus liegt noch ein Streckenfoto kurz vor dem Zieleinlauf.
Was mir vom Wiener Marathon am lebhaftesten in Erinnerung geblieben ist: der Hunger auf der Praterhauptallee. Hätte ich Geld dabei gehabt, wäre ich abgebogen und hätte mir ein Langos gekauft. Stattdessen gab es Bananen. Viele Bananen. Der Zieleinlauf war zu flott. Die Folge war ein ordentlicher Krampf, den ein Rotkreuz-Helfer freundlicherweise wegmassierte. Der Hunger war noch da. Danach gab es 12 Paar Frankfurter. Das ist bis heute eine meiner liebsten Mahlzeiten der eigenen Biografie. Rückblickend war der Marathon anstrengend, aber, wie Christian aus Mödling es immer formuliert, eher ein Kindergeburtstag gegenüber den 60 km im September davor.
In den Jahren danach bin ich immer wieder gelaufen. Mal weniger, mal mehr. Manchmal einfach, um über Probleme nachzudenken. Wenn der Körper läuft, ist der Kopf erstaunlich oft frei. Doch mit der Zeit wurde das Laufen weniger. Und 2016 kam es irgendwie zum Stillstand. Warum? Keine Ahnung. Es war einfach so. Dazwischen gab es andere Episoden, Kung Fu zum Beispiel, die ebenfalls nicht von Dauer waren.
Dann, vor einigen Wochen, kam das Dorfblatt von St. Florian ins Haus. Darin die Ankündigung eines Florianerlaufs am 4. Juli 2026, unter anderem mit einer Strecke über 5 km.
Mir war sofort klar, dass ich die 5 km nicht einfach so laufen könnte, auch wenn ich früher mal einen 60-km-Lauf absolviert hatte. Meine Tätigkeit spielt sich seit Jahren zu fast hundert Prozent im Sitzen ab. Moderne Fotografie, Nachbearbeitung, Bürokram, Workshops, alles sitzend - da helfen auch die Workshops im Freien nicht. Gelegentliches Stehen hat daran einen verschwindend kleinen Anteil. Wenig Bewegung, eine seit 13 Jahren sehr gute häusliche Verpflegung, eigenwillige Essgewohnheiten und die vielen kleinen Annehmlichkeiten des Alltags hatten mich in Sachen Sport, man darf es beim Namen nennen, faul werden lassen.
Die Ankündigung des Laufes ließ mich aber nicht mehr los. Irgendwann beschloss ich, halbherzig zunächst, mitzumachen.
Ende April startete ich mit einem kurzen, aber flotten Spaziergang über 3 km. Das eigene Gewicht ist beim Laufen eine entscheidende Komponente, das wusste ich noch. Was die Waage mir an diesem Tag zeigte, war ernüchternd: 92 kg bei 176 cm Körpergröße. Eine einfache BMI-Rechnung brachte es brutal ans Tageslicht. Übergewicht, eindeutig. In diesem Moment wurde aus dem halbherzigen Vorhaben ein fixer Entschluss. Die Zeit bis zum 4. Juli war nicht mehr lang. Das Gewicht musste runter, die Essgewohnheiten mussten sich ändern, und eine regelmäßige, schweißtreibende Bewegung musste her.
Die Sache hatte sich nun verschoben. Der Florianerlauf war nicht mehr das Ziel, er wurde zum Aufhänger. Das eigentliche Vorhaben war leichter zu werden und wieder Spaß am Laufen zu haben. Der Lauf ist der Hebel, nicht der Zweck. Was den Lauf selbst betraf, ist meine Erwartung übersichtlich. Hinstellen. Loslaufen. Die 5 km durchlaufen. Kein Zeitziel, keine weiteren Ambitionen.
Somit war ich wieder beim Laufen angelangt. Wer sich angesprochen fühlt, darf sich melden.