Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

Wienfluss Erinnerungen #4

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Die Bilder, die den heutigen Post meiner Wienfluss Erinnerungen illustrieren sind 2003 - 2013 in den Retensionsbecken des Wienflusses im Westen Wiens entstanden.

Diese Rückhaltebecken wurden als Teil der Wienflussregulierungen in den Jahren 1885 - 1899 erbaut. Der Zweck und die Aufgabe war damals wie heute gleich. Mit diesen Becken sollte das für den Wienfluss so typische rasche an- und abschwellen der Wassermengen abgefangen werden und damit die Hochwässer entlang der restlichen Fliessstrecke, der Wien, in Zaum gehalten werden. Die Wien führt ja im Normalfall ca. 200/l Wasser pro Sekunde. Bei Starkregen im westlichen Teil des Wienerwaldes kann aber die Wasserführung durchaus um bis das 2000fache ansteigen. Der Grund für so einen enormen Anstieg liegt ja am „Wiener Sandstein“ im westlichen Wienerwald, der im Boden nur eine geringe Menge der Regenfälle aufnimmt und bei heftigen Starkregen daher zu einem sehr raschen Anstieg des Gesamtabflusses führt. Daraus ergeben sich rasch Hochwässer in den Wienerwaldbächen und die meisten davon fliessen ja in den Wienfluss ab.

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Auch der Bau der alten Stadtbahn im 19. Jahrhundert machte einen verbesserten Hochwasserschutz eigentlich unerlässlich, da die Trassenführung der Stadtbahn und das Becken des eingefassten Wienflusses ja in Zukunft quasi nebeneinander lagen.

Der Standort für diese Rückhaltebecken wurde ja gut gewählt. Vor dem Bau im 19. Jahrhundert ergaben Beobachtungen, dass nach dem Zusammenfluss des Mauerbaches und des Wienflusses die Wassermengen immer besonders hoch gewesen waren. Daher wurden diese Retensionsbecken an der Wien auch in diesem Bereich angelegt und befestigt. Als ich 1999 nach längerer Zeit wieder den Wienfluss für mich entdeckte wurde gerade begonnen diese Anlagen im Zuge des erweiterten Hochwasserschutzes zu modernisieren. Die Hochwässer der Jahre davor und auch der moderne U-Bahnbau machten diese Modernisierungsarbeiten nötig. Mich persönlich fasziniert es bis heute, dass diese Anlagen nun schon an die 135 Jahre ihren Zweck erfüllen.

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Als Kind und Jugendlicher war mir der Biotop-Charakter den diese Rückhaltebecken eigentlich immer hatten nicht wirklich bewusst. Wir nutzten diese für uns wilde Landschaft als Abenteuerspielplatz. Ein Platz, der aufgrund der Westausfahrt schon immer sehr stark durch PKW/LKW Verkehr belastet war. In den Jahren meiner Kindheit und Jugend zählte dieser Ort mit zu den interessantesten Gegenden, in denen ich mich in Wien herumtrieb. Doch auch als Erwachsene, nutzten wir einen Ort in einem der Rückhaltebecken im Sommer um dort zu grillen. Das war natürlich damals, genauso wie heute verboten und total illegal. Während ich als Kind und Jugendlicher dort meine Zeit verbrachte, kümmerte sich schon niemand darum, dass der Aufenthalt dort sowieso verboten gewesen wäre. Später als junge Erwachsene machten wir uns auch keine großartigen Sorgen wegen dem Verbot die Wienflussanlagen nicht betreten zu dürfen.

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Den naturnahen Charakter und dass es sich eigentlich durch das Wasser des Wienflusses um eine dynamisch gestaltete Landschaft aus zweiter Hand handelte, dass verstand ich erst als ich mich mehr mit der Naturfotografie zu beschäftigen begann. Dieser Lebensraum für Tiere und Pflanzen durch Menschenhand ist irgendwie ja ganz zufällig und ungeplant entstanden. Mir wurde damit klar, dass diese Retensionsbecken, die ja quasi direkt neben einer der in Wien am meist befahrenen Strassen lagen, nun wichtige Lebensräume für die unterschiedlichsten Tiere boten.

Als Kind bemerkte ich sie entweder nicht, aber manche Tiere waren wahrscheinlich einfach damals noch nicht an den Wienfluss gekommen während meiner Kindheit. Aber nachdem 1999 die Modernisierung dieser Retensionsbecken und des Wienflusses in dieser Gegend in Angriff genommen worden waren, änderte sich das. Neben dem Biber und dem Eisvogel konnte man nun auch zahlreiche andere Tiere, die eine Heimat in und um die Retensionsbecken gefunden hatten, immer häufiger beobachten..

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Diese Photographien zeigen einige Eindrücke, die ich für mich im Zusammenhang mit diesen Retensionsbecken festhalten konnte. Vor 2013 hatten sich die Bedenken diese Landschaft an den zugänglichen Stellen zu betreten in Grenzen gehalten. Doch als ich 2013 in Wien dort unterwegs war, wurde mir klar, dass diese Zeiten nun vorbei waren. Seit es den Wiental(Rad)weg gibt, hatte sich der Zugang und auch die Überwachung durch entsprechende Organe der Stadt Wien am Wienfluss verändert. Ja, der Wienfluss, bzw. der Zugang zum Wienfluss hatte nun sogar Öffnungszeiten bekommen. Eine Sache, die für jemanden der sich seit seiner Kindheit eigentlich immer und überall ungehindert im Bereich des Wienfluss bewegt hatte, zunächst doch etwas gewöhnungsbedürftig war. Aber so war die Sache nunmal jetzt. Sofern man nicht von der einen oder anderen Hochwasser-Überwachungskamera aufgenommen werden wollte, musste man den Retensionsbecken nun den Verboten entsprechend fern bleiben.

Da die Rückhaltebecken sich zu ökologischen Schauräumen entwickelten, sollten diese auch weitgehend sich selbst überlassen werden und von aussen weitgehend nicht beeinträchtigt werden. Deshalb war es ja auch nie vorgesehen, Erholungssuchenden diese Becken zugänglich zu machen. Ob dabei vielleicht mal an den Wehren und der Mauer, die den Umlauf von den Becken trennt Fussgängerwege angelegt werden, wird die Zukunft zeigen. Die Landschaft in den Becken wäre damit zumindest aus der Entfernung erlebbar. Die Entscheidung Menschen aus den Rückhaltebecken fernzuhalten ist aus der Sicht des Fotografen zwar blöd, aber für die Fauna und Flora die sich dort angesiedelt hat, mit Sicherheit die bessere Variante. Diese Becken sind ja eigentlich ein dynamisches Gebiet und werden, ähnlich einer Aulandschaft, immer wieder durch das An- und Abschwellen des Wienflusses umgestaltet. Diese Becken aufgrund von fotografischer Neugier nicht mehr zu betreten, ist mit Blick auf die dortige Tier- und Pflanzenwelt mit Sicherheit eine gute Entscheidung.

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Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir als Kinder unser Unwesen in diesen Becken trieben. Auch die Einfassung dieser Becken, etwas das wir damals Mauerkrone nannten, nutzten wir um dort unseren Abenteuerspielen nachzugehen. Es ging quer durch die Becken, durchs Wasser, die Mauern rauf und runter. Kein Ort war vor uns Kindern damals dort sicher. Doch die Becken wurden nicht nur von uns Kindern benutzt. Auch Erwachsene genossen die Ruhe und Abgeschiedenheit in den Staubecken. Nicht nur einmal stolperten wir beim Herumtollen über WienerInnen, die dort Ihre Sonnenbäder abseits der Blicke anderer Menschen, zwischen Westausfahrt und Westbahnstrecke genossen.

Mein persönlicher Blick hat sich auf die Motive am Wienfluss im letzten Jahrzehnt auch sehr verändert. Für mich steht im Bezug auf den Wienfluss nun nicht mehr die Natur als fotografisches Objekt im Vordergrund. Es ist vielmehr das Zusammenspiel der vielen historischen Hinweise die man dort immer noch findet, die von Menschenhand gemachte Landschaft aus Stein und Beton, natürlich auch die Thematik der „Natur aus zweiter Hand“ und vor allem meine Erlebnisse aus Kindheitstagen, aus meiner Jugend und als junger Erwachsener rücken meine Wienfluss Erinnerungen Stück für Stück wieder für mich ans Tageslicht.

Mehr Photographien vom Wienfluss findet Ihr im PrintArchiv Wienfluss Erinnerungen.

Euer Herbert


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