Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

Warum photographiere ich eigentlich und warum photographiere ich die Dinge, die ich photographiere?

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Diese beiden Fragen, besonders der zweite Teil treibt mich in letzter Zeit mehr um als sonst. Den ersten Teil „Warum ich eigentlich photographiere?“ , kann ich mir mittlerweile schon relativ leicht beantworten.

Warum photographiere ich eigentlich?
Die Fotografie oder besser gesagt, das Medium Fotografie ist für mich eigentlich ein Ersatz. Ein Ersatzwerkzeug um Bilder von Etwas, von einem Ding, einer Szene, einer Landschaft, einem Gebäude oder von was auch immer anfertigen zu können. Lange Jahre wusste ich das nicht wirklich und dachte auch eigentlich nicht darüber nach. Erst ab dem Zeitpunkt, an dem ich die Farbe aus meinen Bildern verbannte, wurde mir klar, warum ich das Medium Fotografie eigentlich nutze. Mit der Zeit ist mir einfach bewusst geworden, dass ich die Fotografie eigentlich verwende, weil ich nicht zeichnen kann.

Könnte ich mit Bleistift zeichnen, dann wäre die Fotografie für mich eigentlich nur so eine Art technisches Hilfsmittel, eine Möglichkeit Skizzen zu machen. Doch ich kann einfach nicht Zeichnen. So zeichnen zu können, wie ich meine Photographien ausarbeite, davon bin ich unendlich weit entfernt.

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Zeichnen lernen?
Sicherlich könnte man ja einwenden, dass ich ja anfangen könnte Zeichnen zu lernen. Den einen oder anderen Anlauf dazu gab es schon. Bei all meinen anderen Tätigkeiten fehlte es aber an Regelmässigkeit und dadurch an Übung. Zeichnen lernt man nicht von heute auf morgen, dass war mir immer klar. In der Photographie hat es mehr als zwanzig Jahre gedauert um an den heutigen Punkt zu kommen. Etwas mehr als zwei Jahrzehnte intensiver Beschäftigung mit der Fotografie, um die Bilder zu machen, die ich heute mache. Erst im letzten drittel dieser zwei Jahrzehnte, durch meine persönliche Abkehr von der Farbfotografie hat es Klick gemacht. Seitdem ich begonnen hatte die Farbe aus meinen Bildern wegzulassen, kann ich mich mit meinen Photographien viel mehr identifizieren. Wirklich gut zeichnen zu lernen, würde daher also auch ganz schön lange dauern. Zeit, die mir aber im fotografischen Bereich dann einfach fehlen würde.

Photographieren um sich künstlerisch zu betätigen
Doch das ist eigentlich nur ein Teil der Antwort auf „Warum photographiere ich eigentlich?“. Der Aspekt , die Fotografie anstatt des Zeichnens zu nutzen ist eigentlich eher technischer Natur. Da steckt eigentlich auch die Frage dahinter, warum ich überhaupt Bilder machen möchte?

Das Medium Fotografie zu nutzen um Bilder zu produzieren bietet mir die Möglichkeit Dinge, Orte, Szenerien zu ver- und bearbeiten. Diese Tätigkeit und die darauffolgende kreative Arbeit hinterher mit der digitalen Entwicklung verschafft mir die Möglichkeit mich künstlerisch zu betätigen. Die Fotografie anstatt des Zeichnens, nutze ich also um meiner Kreativität ein künstlerisches Ventil zu geben.

Meine alten Arbeiten
Wie stehe ich dabei nun zu meinen früheren Arbeiten? Sind deswegen alle meine alten Farbbilder nun für mich schlecht geworden? Nein, nur der Blick darauf ist seit geraumer Zeit einfach ein anderer für mich geworden. Viele meiner ursprünglich als Farbphotographien gemachten Aufnahmen, haben ja den Weg in meine heutige Schwarzweiss-Welt gefunden. Andere Bilder wiederum haben ihre Farbe behalten.

Ein freierer Zugang zur Photographie
Meine persönlichen Erkenntnisse im Bezug auf meine eigene Photographie und warum ich eigentlich das Medium Fotografie nutze haben mir auch viele neue Freiheiten gebracht. Durch diese Erkenntnisse hat sich für mich auch der Blick auf viele spannende und interessante Motive ausserhalb des naturfotografischen Universums erweitert. Meine photographischen Zeichnungen, wenn ich das mal so nennen darf, haben mich auch vom irrigen Anspruch die Realität wiedergeben zu wollen befreit.

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Manchmal sind meine Bilder, man könnte sagen doch schon sehr verfremdet. Daher stellt sich auch hin und wieder die Frage, ob das überhaupt noch Fotografien sind? Da meine Bilder aber zu 99.99% keine Composings aus mehreren Fotografien sind, so denke ich bewege ich mich immer noch im Bereich der Fotografie. Auch, wenn man es manchmal nicht auf den ersten Blick erkennen kann, so ist das was auf meinen Bildern zu sehen ist, zum Zeitpunkt der Aufnahme auch vor der Kamera gewesen. Doch umso mehr ich darüber nachdenke, so empfinde ich die Frage ob meine Bilder eigentlich Fotografien sind, als vollkommen irrelevant.

Einen Teil der anfangs gestellten Frage kann ich also für mich schlüssig beantworten. Rückschauend ist es interessant zu sehen, wie mir diese Antwort neue und andere Motive bescherte und mich aus meiner fotografischen (persönlichen) Sackgasse der Naturfotografie herausgeführt hat.

Der schwierigere zweite Teil der Frage
„Warum photographiere ich die Dinge, die ich photographiere?“ , der zweite Teil der Frage ist da für mich schon wesentlich schwieriger zu beantworten. Warum wähle ich die Motive, die ich photographiere eigentlich aus? Eine einfache Antwort, ähnlich wie auf den ersten Teil der Frage, wird es, so denke ich nicht geben. Früher, als ich mich noch selbst der Naturfotografie zuordnete war die Antwort vermeintlich einfach. Meist antwortete ich auf so eine Frage mit der Antwort „Ich bin gerne in der Natur.“ Heute habe ich verstanden, dass mir diese Antwort eigentlich zu einfach und auch zu stereotyp ist.

Viele meiner Arbeiten entstehen heute ja immer noch unter freien Himmel, in einem Waldstück, an Seen, an Bächen, in den Bergen oder im Flachland. Doch seit meiner Selbsterkenntnis über meine Photographie finden sich unter meinen Aufnahmen auch viele von Menschen geschaffene Orte, wie Gebäude oder auch die Landschaften, die wir als Kulturlandschaften bezeichnen. Es muss daher für meine einzelnen Themen und Sujets, so denke ich, eigentlich auch immer andere Motivationen geben. Interessanterweise hat sich die Frage „Warum photographiere ich die Dinge, die ich photographiere?“ bei der Bildauswahl für die Eröffnungsausstellung der Tummelplatz Galerie ganz besonders gestellt. Daher betrachte ich die Antwort auf diese Frage als sehr zentral für mich.

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Die Antwort auf „Warum photographiere ich die Dinge, die ich photographiere?“ bedarf also mit Sicherheit einer längeren und tieferen Betrachtung. Ich vermute mal jedes Sujet wird hier andere Antworten ergeben und andere Beweggründe aufzeigen. Mal sehen, was dabei bei der Betrachtung einzelner von mir bereits photographierten Themen zutage kommen wird.

Was geht eigentlich Euch bei der Frage „Warum photographiere ich eigentlich und warum photographiere ich die Dinge, die ich photographiere?“ so durch den Kopf? Wer von Euch Lust hat kann mir gerne schreiben oder auch hier im Blog einen Kommentar hinterlassen.

Mit dem Kopf voller Gedanken wünsche ich Euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Euer Herbert


2 Beiträge zum Thema "Warum photographiere ich eigentlich und warum photographiere ich die Dinge, dich ich photographiere?"

Also, ich fotografiere die Dinge, die ich in einem bestimmten Moment als besonders erkenne und die ich in genau diesem Augenblick, in dieser Stimmung, diesem Licht festhalten möchte. Es hat wohl etwas mit der Fokussierung meines Blicks zu tun und was das, was ich sehe, in mir erzeugt. Wenn also mein Blick einen Moment hängen bleibt, dann frage ich mich auch, warum. Ich versuche dann auch, genau das, was mir da aufgefallen ist und warum es mir aufgefallen ist einzufangen. Da kommt nun das handwerkliche der Fotografie ins Spiel. Ich bearbeite meine Fotos allerdings fast gar nicht. Etwas Helligkeit raus oder rein. Das wars dann aber auch schon. Ich denke dann zurück an diesen Augenblick, zu dem ich das Foto aufgenommen habe und wenn das entstande Foto diesem nicht entspricht, verwerfe ich es. Daher ist für mich aber auch die Fotografie der einzige Weg. Zeichnen würde zu lange dauern.

Jela Zellinger, 31. Dezember 2020 11:19


Manchmal ziehe ich los mit einem bestimmten Thema im Kopf und suche dann gezielt danach. Ein anderes Mal hab ich ein bestimmtes Objektiv mit und lasse mich treiben. Da schaue ich dann, ob mir etwas "ins Auge springt", was sich mit diesem Objektiv gut eignet oder wie sich ein vermeintlich gutes Motiv mit diesem Objektiv entsprechend einfangen lässt. Das gelingt manchmal gut, manchmal weniger. Oft kommt Manches auch unverhofft in den eigenen Blick - so wie bei meinen Stadtspaziergängen.

Günther Gröger, 06. Jänner 2021 17:22



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