Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

Normandie - Eine persönliche Landung #1

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Lange habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen ob ich zu meinen bisherigen fotografischen Arbeiten die sich mit der Landung der Alliierten Truppen im Juni 1944 in der Normandie beschäftigen auch noch ein paar Zeilen verfassen sollte. Im PrintArchiv hatte ich diese Bilder ja schon länger online, doch wollte ich dazu noch auch noch Gedanken für mich festhalten.

D-Day, die Landung in der Normandie, spätestens seit dem Film „Der Soldat James Ryan“ ist dieser Teil der Kriegsgeschichte des Zweiten Weltkriegs manchen wieder bewusst geworden. An die Anfangsszenen in diesem Film im Kino kann ich mich noch gut erinnern. Die Landung der amerikanischen Soldaten am Omaha Beach wurde zu Beginn des Films mehr als realistisch dargestellt. Viele der Kinobesucherinnen und Kinobesucher drückten sich, oft ohne es zu bemerken in die Kinosessel aufgrund der Szenen die sich auf der Leinwand abspielten. Hatte man bis dahin noch keine Vorstellung von einer militärischen Landung an einem stark befestigten Strand, so konnte man jetzt erahnen wie es den amerikanischen Soldaten, die aus den Landungsbooten in diese Hölle springen mussten, wohl ergangen war.

Während meiner Zeit beim Bundesheer, in der Grundausbildung hatte uns unser Ausbildner des öfteren gesagt, dass egal welches Training, welche Ausbildung man als Soldat auch immer durchmachen müsste. Nichts, absolut nichts bereitet einem darauf vor, wie es dann in Wirklichkeit, im Gefecht sein wird. Obwohl mir her persönliche Erfahrungswerte zum Glück fehlten, zweifelte ich nie an seinen Worten in dieser Sache.

Mitte August 2019, kurz nach 7 Uhr, knapp 75 Jahre und etwas mehr als einem Monat nach der echten Landung der Alliierten in der Normandie, stand ich nun bis über die Hüfte im Wasser des Ärmelkanals, schwer bepackt mit Fotorucksack, Stativ und Regenschirm am Rücken, sowie in einer Wathose am Omaha Beach in der Normandie und stemmte mich gegen die hereinkommende Flut.

Doch wie kommt man eigentlich auf die Idee, sich mit so einer Materie in fotografischer Hinsicht überhaupt zu beschäftigen. Das ist eine der Fragen, die mich heute immer noch beschäftigt und für die ich noch keine vollkommen eindeutige Antwort gefunden habe. Nachdem ich mit dem Themenkomplex Normandie 44 wieder in Berührung gekommen war, stand der Entschluss bald fest, dorthin zu reisen um mich mit diesen Dingen in irgendeiner Art und Weise fotografisch zu beschäftigen.

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Damit begann für mich eine mehrmonatige immer wiederkehrende Phase der Recherche zum Thema D-Day und der Landung in der Normandie 1944. An Geschichte im Allgemeinen bin ich ja schon seit meiner Pflichtschulzeit immer schon sehr interessiert gewesen. Die Quellen an Informationsmaterial angefangen mit Büchern aus der Leihbibliothek bis hin zu Texten, Bildern und selbst minuziösen zeitlichen Darstellungen der Landungsvorbereitungen und der Landung selbst, die man im Internet findet, stellte eine Unmenge an Informationen, Darstellungen und Berichten dar. Eine Menge, die ich bis heute noch nicht komplett gesichtet habe und es findet sich immer noch weiteres neues Material zu diesem Thema für mich.

Als ich dann also so in der hereinkommenden Flut, am Omaha Beach stand und den Druck der steigenden Flut spürte, hatte ich einen Strandabschnitt von ca. 150m länge vor mir. Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass mir schlecht wurde, aber ein ungutes Gefühl breitete sich in mir aus während ich bis zur Hüfte im Wasser stand. Ich dachte darüber nach wie es wohl für die vielen jungen Männer vor über 75 Jahren hier gewesen sein musste, als sie den Befehl erhielten aus den Landungsbooten in teilweise mehr als brusttiefes Wasser zu springen. Mich wunderte, dass hier überhaupt jemand vom Landungsboot ins Wasser gesprungen war. Für viele junge amerikanische Soldaten endete am Omaha Beach mit diesem Sprung auch schon buchstäblich alles. Im Kugelhagel der befestigten Stellung gingen viele der Soldaten unter und ertranken. Ich stellte mir die Frage, wie es wohl mir in so einer Situation ergangen wäre, wie hätte ich reagiert, hätte ich überhaupt den Mut aufgebracht, dass zu tun was diese Soldaten in diesen Stunden damals tun mussten? Möglicherweise, wahrscheinlich aber eher nicht. Auf so etwas konnte man sich nicht wirklich vorbereiten oder darüber spekulieren, schon gar nicht wenn man das Glück hatte bis jetzt in seinem Leben mit keiner einzigen kriegerischen Handlung direkt konfrontiert gewesen zu sein.

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Wie ich etwas später feststellte hatte man von den Resten der verschiedenen deutschen Stellungen eine wirklich ausgezeichnete Sicht auf diesen Strand. Für mich war das alles mehr als erstaunlich, dass überhaupt einer der jungen amerikanischen Soldaten diese frühen Morgenstunden überlebte.

Diese Minuten in der steigenden Flut, mit Blick auf den Strand zeigten mir jedoch auch, dass es zwei vollkommen verschiedene Dinge sind über eine Sache zu lesen und zu recherchieren und dann doch tatsächlich an den jeweiligen Orten des Geschehens von vor über 75 Jahren zu sein. Die Landung in der Normandie 1944 gewann dadurch für mich eine ganz andere Eindringlichkeit und wurde mit einem Schlag realer für mich, obwohl das alles schon ein ganzes Menschenleben lang zurück lag.

Obwohl ich gerne meinen Dienst beim Heer absolvierte, muss ich doch sagen dass realer Krieg und alles schreckliche was damit einher geht, auf mich keinerlei Faszination ausübt. Aus mir noch nicht so ganz klaren Gründen liegt die Sache beim Thema der Landung der Alliierten Truppen in Frankreich 1944 aber anders. Die Vorbereitungen zum D-Day, der D-Day selbst und die 90 Tage, die auf den D-Day folgten beschäftigen mich eindeutig. Persönlich habe ich keinerlei Bezug zur Normandie im zweiten Weltkrieg, kein Verwandter kämpfte auf deutscher Seite 1944 in der Normandie und ich kann mir auch keine besondere und übertriebene Sympathie für die USA vorwerfen, zumal die Alliierten Truppen 1944 in Frankreich ja nicht nur aus Amerikanern bestanden. Mir ist auch klar, dass in den Jahren des zweiten Weltkriegs an vielen Schauplätzen ungeheure und schreckliche Dinge passiert sind. Die Normandie und Ihre intensive Verbindung zur Landung 1944 ist aber eindeutig etwas besonderes für mich persönlich.

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Beim Rückweg ins Quartier wurde mir klar, dass meine fotografische Beschäftigung mit dieser Thematik nicht nach diesem Besuch vorüber sein wird und auch nicht sein kann. Mit meiner Landung in der Normandie hatte ich für mich einen fotografischen Komplex eröffnet, der mich in den kommenden Jahren immer wieder beschäftigen werden wird.

Euer Herbert


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