Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

HEUTE #3 - 02. August 2013,2014 und 2016

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Irgendwie ist heuer was meine eigene Photographie betrifft das Jahr der Rückschau. Seit einiger Zeit macht es mir wirklich Spass mal wieder ins Bildarchiv abzutauchen und meine älteren digitalen Photographien durchzusehen. Primär ist das einfach Neugier auf die eigene Photographie in der Vergangenheit. In der Serie „Heute“ picke ich mir ja einen Tag heraus und schaue nach, was ich denn an diesem Tag so in der Vergangenheit aufgenommen hatte.

In der dritten Ausgabe von HEUTE hat es mich in die Jahre 2013, 2014, 2016 jeweils an den 2. August dieser Jahre verschlagen. Drei der Bilder sind dabei auf der Wiener Donauinsel, zwei in den Traun-Donau Auen und das letzte Bild entlang einer Forststrasse entstanden. Meine Arbeiten der letzten Jahre entstehen ja alle im Hinblick auf meine Entscheidung mich bei meiner eigenen Photographie ausschliesslich auf Arbeiten in SW zu beschränken. Trotzdem musste ich drei dieser Aufnahmen in Farbe belassen, denn ansonsten hätten diese nicht mehr funktioniert. Das „quadrieren“ also den ursprünglichen Ausschnitt auf das Quadrat zu beschränken machte aber keine Probleme. Dabei habe ich mir mal wieder selbst vor Augen geführt, dass auf einigen der damaligen Aufnahmen wieder zu viel abgebildet war.

Warum habe ich diese Motive, respektive diese Photographien damals eigentlich aufgenommen? Eine gute Frage, die man sich nicht oft genug bei den eigenen Arbeiten stellen kann.

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Bild #1 | 2. August 2013
Aufgenommen auf der Donauinsel. Durch sehr viel Wasser oder Hochwasser hatte sich kurz unterhalb des Kraftwerks Freudenau im Mündungsbereich eines Bachlaufes auf der Donauinsel wirklich viel feinster Donausand angehäuft. Diese Sandschicht war beachtlich hoch, an manchen Stellen eigentlich höher als ein wirklich hochgewachsener Mensch. Natürlich faszinierte mich diese große Menge an Sand, aber eigentlich waren es die Formen, die sich im Sand abzeichneten. Irgendwie musste ich dabei an die in Sandstein geschlagenen Tempelanlagen im Nahen Osten denken. Obwohl der Sand an vielen Stellen wie zusammengepresst wirkte, war er alles andere als fest. Sowohl in den Schuhen, dem Fotorucksack als auch im restlichen Gewand fand sich dann am Abend reichlich Sand wieder. Schliesslich entschloss ich mich, mir einige Details herauszupicken. Dabei hat dann eben Bild #1 den Auswahl und Bearbeitungsprozess hinterher überlebt.

Es war also nicht der Sand an sich, der mich dann eben photographieren hatte lassen, sondern die Formen die sich durch den Sand dort gebildet hatten.

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Bild #2 | 2. August 2013
Ebenfalls auf der Donauinsel aufgenommen. Eigentlich im selben Bereich wie Bild #1. Keine Ahnung mehr ob ich damals die heutige Assoziation bei dem Bild auch schon hatte. Doch heute, stelle ich mir vor dass dieser Schmetterling in einer Schneelandschaft sitzt. Dadurch, dass ich damals beim Photographieren einen Weissabgleich eingestellt hatte, der den kühlen Farbstich im Schatten nicht korrigierte entstand für mich nun eben der Eindruck eines Schmetterlings im Winter, in einer Schneelandschaft. Diese Kombination wird in der Natur wahrscheinlich eher nicht vorkommen, zumal es bei so einer Menge Schnee durchaus ziemlich kühl sein müsste. Das wäre für den Schmetterling mit Sicherheit nicht gut auf Dauer. Warum ich dieses Bild damals aufgenommen hatte kann ich heute wie gesagt nicht mehr rekonstruieren. Wahrscheinlich konnte ich mit meiner damaligen Haltung und Selbsteinordnung in die Naturfotografie gar nicht anders und fotografierte dieses Insekt daher ganz einfach. Schmetterlinge finde ich heute auch noch interessant, doch einen Schmetterling nur deswegen abzubilden, weil er ein schönes Tier ist, das lasse ich mit meiner heutigen persönlichen Einstellung zu meiner Photographie lieber sein.

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Bild #3 | 2. August 2013
Auch dieses Bild stammt von der Donauinsel, genauer gesagt vom Toten Grund. Hier hat der damalige Landschaftsfotograf in mir seine Betätigung gefunden. Schönes Licht, einen halbwegs interessanten Vordergrund und fertig ist die Photographie. Das waren sicherlich damals die Beweggründe diese Aufnahme zu machen. Ja, das sogenannte schöne Licht hat sicherlich schon sehr, sehr oft dazu geführt das Aufnahmen gemacht worden sind. Würde ich diese Aufnahme heute auch noch so machen? Wahrscheinlich nicht. Nur weil eine Landschaft in schönes Licht getaucht ist, würde ich nicht sofort zur Kamera greifen. Heute wäre mir das kein ausreichender Grund um davon ein Bild zu machen. Damals allerdings schon, aber man verändert sich ja mit der Zeit und so auch die eigene Photographie. Trotzdem mag ich dieses Bild, obwohl ich es heute nicht mehr aufnehmen würde.

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Bild #4 | 2. August 2014
Aufgenommen in Oberösterreich, in den Traun-Donau Auen. Seit Mitte 2013 ist Oberösterreich ja sozusagen meine neue Heimat und ich wohne unweit vom Gebiet der Traun-Donau Auen. Auch bei dieser Aufnahme gehen mir heute ähnliche Dinge durch den Kopf wie beim Bild #3. Schönes Licht, Vordergrund, Mittelteil, Bildhintergrund - alles da, für eine einfache, klassische Landschaftsaufnahme. Seit damals bin ich öfter an dieser Stelle gewesen und konnte es vermeiden dort ähnliche Aufnahmen zu machen. Der alte Gedanke „Vordergrund macht Bild gesund...“, den beachte ich bei meiner heutigen Photographie eigentlich nur mehr wirklich sehr selten. Abgesehen davon, dass ich dieses Bild persönlich heute nicht mehr so machen würde, so war es damals doch eine schöne und auch besondere Stimmung um kurz nach sieben Uhr morgens in der Au. Das damalige Wochenende, das ja eigentlich ein Workshop-Wochenende war, ist mir als eines der wärmsten Augustwochenenden 2014 in Erinnerung geblieben. Da war die Kühle des Morgens in der Au sehr willkommen, auch wenn sich die kühleren Temperaturen dann rasch verflüchtigt hatten. Das Bild ist was es ist, ein schönes Abbild einer schönen Morgenstimmung in einer Au.

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Bild #5 | 2. August 2014
Etwas mehr als 12 Stunden nach Bild #4. Abgesehen vom Rückzug zur Bildbearbeitung Mittags ist mir dieser Tag als wirklich sehr warm in Erinnerung. Am Abend erreichten wir dann eine Stelle von der man eine guten Blick auf interessante Wolkenformationen hatte. Ganz ehrlich ich hätte sehr stark gehofft, dass uns jetzt dann endlich ein ordentlicher Sommerregen von der Hitze erlöst. Doch nichts dergleichen ist passiert, das Gewitter samt Regen, dass sich durch die Wolken am Himmel abzeichnete zog viel zu weit an uns vorüber. Aus der ersehnten Abkühlung wurde an diesem Abend daher nichts. Dabei ist dieses Bild entstanden. Was mir an diesem Bild aber bis dato nie so richtig gefallen hatte, war der Vordergrund. Die vielen kleinen Dinge die da schwammen störten mich damals wie heute. Etwas mehr als einen Monat später wusste ich dann, was ich mit dem Bild machen wollte, damit es mir besser gefiel. Wer von Euch wissen möchte, wie mir das Bild dann letztendlich doch gefallen hat kann sich ja mal im PrintArchiv umschauen, vielleicht findet Ihr es...

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Bild #6 | 2. August 2016
Irgendwo in der Steiermark, genauer gesagt in der Nähe von HohenTauern. An diesem Morgen flitzte ich mit Alois und dessen wendigen Geländewagen eine Forststrasse entlang, als dann in einer Kurve diese Lichtstimmung nicht zu übersehen war. Klarerweise mussten wir sofort stehen bleiben, der Nebel und Dunst würde bald verschwinden und diese Stimmung wäre sehr bald dahin. So war es dann ja auch, einige Aufnahmen gingen sich aus und dann hatte sich der Dunst auch schon aufgelöst. Damals hatte ich die LiveView Vorschau meiner Kamera schon lange auf SW umgestellt, somit war klar dass diese Szene ausgesprochen gut als SW Abbild funktionieren würde. Angesprochen hatte mich diese Szenerie ganz eindeutig wegen der Licht- und Schattenverteilung.

Damit ist mein Rückblick auf den 2. August in einigen Jahren zu Ende. Den Gedanken, den ich mir hiervon wieder mitnehme, bzw. wieder noch bewusster mache ist, dass nur ein schönes Licht für mich noch lange kein Grund ist, eine Photographie zu machen. Über manche Dinge bin ich für mich einfach herausgewachsen. Vordergrund, Mittelteil und Hintergrund im Zusammenhang mit „Vordergrund macht Bild gesund...“ versuche ich durchwegs zu vermeiden. Sind mir diese Bilder doch schon irgendwie immer im Aufbau viel zu ähnlich und mittlerweile schaue ich mir schöne Landschaften im „schönen Licht“ meist viel lieber an, als zu versuchen davon ein Abbild zu machen. Zumal ich ja nicht photographiere um schöne Bilder zu machen, sondern um das für mich festzuhalten was ich in manchen Dingen sehe und erkenne...

Euer Herbert


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