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Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...


Warum photographiere ich die Dinge, die ich photographiere?

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Einige Tage vor dem Jahreswechsel nach 2021 machte ich mir ja Gedanken darüber „Warum ich eigentlich photographiere?“. Diese Frage war ja für mich relativ einfach zu beantworten.

Die Photographie als Technik nutze ich weil ich mit Bleistift und Papier nicht so zeichnen kann, wie ich gerne können würde. Bilder an sich, eben mit der Technik der Photographie, mache ich eigentlich um mich künstlerisch zu betätigen, um ein künstlerisches Ventil zu haben. Irgendwie schwingt auch hier die unausgesprochene Frage mit, für „wen“ ich mich eigentlich mit der Photographie an sich beschäftige und für wen ich eigentlich meine Photographien mache?

Viele Menschen, viele FotografInnen würden hier spontan wahrscheinlich antworten „Ich fotografiere für mich!“. Doch diese Antwort ist mir mittlerweile zu einfach, zu stereotyp. Nicht, dass diese Antwort an einem bestimmten Abschnitt im Leben von FotografInnen nicht stimmen würde. Auch bei mir war es anfangs mit Sicherheit so, dass ich hauptsächlich für mich fotografierte, zumindest war ich sicherlich dieser Meinung in meiner photographischen Anfangszeit.

Da ich aber relativ bald damit angefangen hatte, die Bilder die ich produzierte auch anderen Menschen zu zeigen, kam doch dann bald der Aspekt des „Bilder herzeigens“ dazu. Also, fotografierte ich auch, um meine Photographien anderen Menschen zu zeigen. Das wiederum bedeutet aber auch, dass man doch eine gewisse Neugier dafür entwickelt, wie denn die eigenen Bilder bei anderen Menschen ankommen.

Man freut sich, dass muss man offen und ehrlich zugeben, wenn die eigenen Arbeiten gut ankommen. Da bin ich fest davon überzeugt. Diejenigen, die das Gegenteil behaupten, haben wahrscheinlich bei der Eröffnung einer eigenen Ausstellung noch nie mit Besuchern, denen die ausgestellten Bilder gefallen geplaudert. Zu sehen, zu hören, dass die eigenen Arbeiten auch anderen Menschen gefallen ist schon eine wichtige Sache für die eigene Photographie.

In Zeiten von Instagram, Facebook & Co ist das mit dem „gefallen wollen“ im Bezug auf die Fotografie etwas aus dem Ruder gelaufen. Es gibt viele FotografInnen, die mit jedem Bild dass sie machen „Allen“ gefallen wollen und von allen, beim jedem ihrer Bilder „Gefällt mir´s“ und „Herzchen“ ernten möchten. Ob einem diese Art von „gefallen wollen“ wirklich persönlich und photographisch weiterbringt, dass muss jeder für sich selbst beantworten.

Wenn man seine Einstellung in die Richtung verändert, dass nicht jeder die eigenen Photographieren gut finden muss, ist man meiner Meinung nach einen wichtigen Schritt weiter in der eigenen Entwicklung weitergekommen. Schlussendlich macht man die Bilder, weil sie einem selbst gefallen und für die, denen sie auch gefallen. Das Herzeigen bleibt einfach bei einer Fotografie ein wesentlicher Aspekt.

Nun, jetzt bin ich doch von meinem Thema „Warum photographiere ich die Dinge, die ich photographiere? „ etwas abgeschweift. Wenn ich auf meiner Website, einen Blick in mein Archiv werfe, finde ich dort sehr unterschiedliche Thematiken.

Abstrakte Studien, Traun-Donau Auen, Gesäuse/Ennstal, Iron Curtain, Normandy44, Taugl und die Wienfluss Erinnerungenum nur ein paar davon herauszugreifen. Bei einigen davon handelt es sich um, man könnte sagen „Naturfotografie“ bei anderen Themen wiederum handelt es sich um von Menschen geschaffene Dinge. Was diese Themen alle gemeinsam haben, ist der Umstand, dass ich eigentlich alle Orte bis heute mehr als einmal aufgesucht hatte um dort zu photographieren. Bei einigen davon handelt es sich um, man könnte sagen „Naturfotografie“ bei anderen Themen wiederum handelt es sich um von Menschen geschaffene Dinge. Was diese Themen alle gemeinsam haben, ist der Umstand, dass ich eigentlich alle Orte bis heute mehr als einmal aufgesucht hatte um dort zu photographieren.

Bei eigenen Themen, wie z.B. bei der Normandy44 ist das noch nicht im Archiv ersichtlich, bei anderem wie z.B. bei der Taugl, den Traun-Donau Auenoder den Wienfluss Erinnerungen spannt sich meine photographische Bearbeitung mittlerweile schon über mehr als ein Jahrzehnt.

Themen wie die Ästhetik der Freileitung, die Wienfluss Erinnerung und die Taugl haben dennoch vollkommen unterschiedliche Gründe und Motivationen warum ich mich diesen Orten und Motiven immer wieder widme.

Auch die Art und Weise, wie ich zu diesen Motiven gekommen war, ist gerade bei diesen drei Themen auch vollkommen unterschiedlich. Damit komme ich der Frage, warum ich die Dinge photographiere, die ich photographiere schon näher.

Warum fotografiere ich eigentlich meine Wienfluss Erinnerungen?
Diese Thematik hat sehr viel mit mir persönlich zu tun. Mein photographisches Interesse an den Wienfluss Erinnerungen entspringt eigentlich meiner Kindheit. Der gesamte Wienfluss, ist wenn man so will für mich ein einziger Ort der Erlebnisse und Erinnerungen aus meiner Kindheit. Viele Sommer meiner Kindheit habe ich dort an Wochenenden verbracht, dort die Welt entlang des Wienflusses für mich entdeckt, Freundschaften geschlossen und große und kleine Abenteuer erlebt.

Meine heutige photographische Beschäftigung mit diesem Thema ist für mich wie eine Reise zurück in diese Tage. Obwohl es entlang des Wienflusses nicht mehr sehr viele Orte gibt, die in gleichen Zustand wie in meiner Kindheit sind, bin ich dort immer wieder gerne unterwegs und versuche für mich dort alte mir bekannte Dinge und auch neue mir noch unbekannte Aspekte der Abenteuerlandschaft meiner Kindheit zu finden.

Wenn ich am, im und entlang des Wienfluss unterwegs bin ergeht es mir fast so wie dem Protagonisten Simon Morley in Jack Finney´s Zeitreiseroman „Von Zeit zu Zeit“, der sich sozusagen durch Geisteskraft in die gewünschte Zeit zurückversetzen kann und dann auch wirklich körperlich in dieser Zeit unterwegs ist.

Diente zu Anfang eigentlich nur immer die eigene Vergangenheit als Grund für meine Neugier dem Wienfluss gegenüber, so haben viele historische Aufnahmen vom Wienfluss in der Zwischenzeit mein Interesse an dieser von Menschen geformten Landschaft in Wien vertieft.

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Links: Historische Aufnahme um 1913, Quelle: ÖNB, Rechts: Eigene Aufnahme aus dem Jahr 1999

Als gegen Ende der 1990iger des vorigen Jahrhunderts am Wienfluss die Renaturierungsarbeiten begonnen hatte, begann auch die Abenteuerlandschaft meiner Kind langsam zu verschwinden. Das Gebäude, der Damm des Staubeckens und die unmittelbare Landschaft um dieses Gebäude hatten sich in den Jahren 1913 - 1999 kaum verändert. Erst die verbesserten Hochwasserschutzmassnahmen Ende der 90iger Jahre und die Arbeiten für die weitere Renaturierung haben diese Gegend nachhaltig umgestaltet. Leider habe ich keine Aufnahmen aus der Zeit meiner Kindheit am Wienfluss. Aber im wesentlichen habe ich diese Gegend in meiner Kindheit so gesehen und erlebt wie auf der Aufnahme von 1913. Es ist schon erstaunlich, dass sich manche Orte auch in über 80 Jahren nicht so gewaltig verändern.

Bin ich heute dort unterwegs, verschwimmen diese zeitlichen Darstellungen für mich. Die Aufnahme von 1913 überlagert sich geistig mit meinen Kindheitserinnerungen. Im Kopf beginnt sich die Landschaft dann mit meiner Aufnahme von 1999 zu vermischen.

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Links: Historische Aufnahme vor 1937, Quelle: ÖNB, Rechts: Eigene Aunahme aus dem Jahr 2020

Wenn ich mich heute mit Menschen über meine Kindheitserlebnisse am Wienfluss unterhalte, erzähle ich machmal, dass ich ja eigentlich schwimmen im Wienfluss gelernt hatte. Bei denen, die wissen wie tief der Wienfluss heutzutage ist erzeugt das immer Verwunderung. Doch wie man an dieser alten historischen Aufnahme ersehen kann, bin ich in den letzten hundert Jahren sicherlich nicht der einzige gewesen, der in diesem Fluss das Schwimmen gelernt hatte.

Heute ist diese Stelle, wie meine rechte Aufnahme aus dem Jahr 2020 zeigt nicht mehr im gleichen Zustand wie in meiner Kindheit. Damals war noch der Rest dieser kleinen Staumauer vorhanden. Als Kinder schleppen wir von umliegenden Baustellen lange Holzbretter in den Wienfluss und stauten damit mit deren Hilfe den Wienfluss an dieser Stelle fast wieder auf die selbe Tiefe wie es auf der alten historischen Aufnahme zu sehen ist. Man konnte also sehr gut schwimmen und im Wasser des Wienflusses herumtollen in meiner Kindheit.

Am Wienfluss unterwegs zu sein, ist für mich also immer eine Zeitreise, eine Reise in die persönliche Vergangenheit, aber auch Reisen in die, durch alte Photographien inspirierte Vergangenheit des Wienflusses.

Damit mache ich für heute mal Schluss mit dem Thema „Warum photographiere ich die Dinge, die ich photographiere?“. Mehr dazu beim nächsten Mal.

Euer Herbert


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