Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

Normandie #7 - Soldatenfriedhöfe Omaha Beach und La Cambe

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Wenn ich ans Fotografieren und das Thema Friedhöfe denke, dann fällt mir natürlich meist zuerst der Wiener Zentralfriedhof ein. Als ich in der Normandie war und den amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer besuchte, stellte sich aber ein vollkommen anderes Gefühl ein, als wie sonst am Wiener Zentralfriedhof.

Obwohl es in der Normandie viele Soldatenfriedhöfe gibt, ist der Friedhof der oberhalb von Omaha Beach liegt der bekannteste dieser Friedhöfe. Endlose Reihen von weissen Kreuzen aus Marmor und Davidsternen stehen für die gefallenen amerikanischen Soldaten, die bei dem Sturm auf die Festung Europa letztendlich ihr Leben gelassen hatten. Dieser Friedhof an sich ist schon eindrucksvoll, da er aber auch noch oberhalb des Strandes liegt, an dem die Alliierten am 6. Juni 1944 die schlimmsten Verluste hinnehmen mussten, gibt dieser Anlage noch eine zusätzliche Bedeutung. US-Präsident Jimmy Carter besuchte 1978 diesen Friedhof, seitdem ist es Tradition, das bei jedem Frankreichbesuch eines US-Präsidenten hier ein Zwischenstopp eingelegt wird. Die Verbundenheit der Amerikaner mit diesem quasi amerikanischen Boden auf französischen Territorium merkt man auch, wenn man wie an diesem Tag durch die Reihen der Besucher wandert und versucht herauszuhören, welche Nationalitäten dem Friedhof gerade einen Besuch abstatten. Amerikaner aller Altersklassen stellten hier, zumindest an diesem Tag sicherlich den Hauptanteil der Besucher.

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Immer wieder sieht man einzelne Besucher oder kleinere Gruppen, die auf der Suche nach bestimmten Gräbern sind, manche davon sind mit Rosen und Kerzen geschmückt und an anderen stehen in Gedanken versunken Besucher davor. Da und dort wurden auch kleinere Gruppen von einem Guide zu bestimmten Gräbern geführt. Obwohl an diesem Tag wirklich sehr viele Menschen dort waren, strahlte der gesamte Friedhof doch eine gewisse Ruhe aus. Ich muss zugeben, anfangs hatte ich eigentlich richtige Scheu davor hier mit dem Fotografieren loszulegen. Mit meinem Outfit bin ich ja schon beim Betreten des Geländes aufgefallen und einer der Securities hatte mich, als ich am Eingang des Museums vorbeiging sehr argwöhnisch beobachtet. Mit meinem riesigen Rucksack, mit dem darauf montierten Stativ und dem Regenschirm bin ich schon sehr aufgefallen.

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Die zahlreichen Guides und das Aufsichtspersonal nahmen aber an meiner Anwesenheit keinerlei Anstoss. Bemerkt hatten sie mich mit Sicherheit. Manche Bereiche waren ja durch Seile abgesperrt und sobald sich irgendjemand anschickte diese Seile zu übertreten, dauerte es nicht lange bis jemand vom Aufsichtspersonal, diese Personen sehr höflich, aber doch bestimmt wieder von diesen Friedhofsflächen entfernte. Der amerikanische Friedhof ist zwar riesig und gerade um die Tage der jährlichen D-Day Feierlichkeiten werden sich hier auch jede Menge Menschen tummeln, aber trotzdem findet man hier auch Ruhe und Zeit zur Besinnung.

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Wie viele andere Soldatenfriedhöfe in der Normandie, so wurde auch dieser auf ehemaligen Operationsgebiet errichtet, damit soll eben an die Gefallenen, sowie an die Überlebenden und an all die Geschehnisse erinnert werden. Wie schon erwähnt, liegt in Sichtweite des Friedhofs der Omaha Beach, der ja auch den Beinamen „Bloody Beach“ bekommen hatte. Bereits knapp zwei Tage nach dem D-Day wurde in geringer Entfernung des heutigen Friedhofs eine Gräberanlage angelegt. Viele, der knapp 10.000 Soldaten die in der heutigen Anlage begraben sind, sind während des D-Day und in den unmittelbaren Kämpfen in den Tagen danach gefallen. Der heutige Friedhof wurde im Juni 1956 eingeweiht.

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Ein weiterer Soldatenfriedhof den ich mir im Zuge meiner Normandie-Tour ansehen wollte war die Deutsche Kriegsgräberstätte La Cambe. Bei meinen Recherchen hatte ich gelesen, dass sich diese zwei Friedhöfe in Ihrer Gestaltung und in der Stimmung die sie vermitteln sehr unterscheiden. Einige Quellen waren der Meinung das die Kriegsgräberstätte La Cambe wesentlich düsterer wirkt als der Amerikanische Soldatenfriedhof oberhalb von Omaha Beach. Es stimmte, das La Cambe komplett anders aussah und auch gestaltet war, doch die düstere Stimmung konnte ich zumindest nicht nachvollziehen. Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass hier etwas mehr als doppelt so viele letzte Ruhestätten von deutschen Soldaten waren, als wie am Friedhof unweit von Omaha Beach. Interessant ist auch, dass hier zunächst Amerikanische und deutsche gefallene Soldaten der See- und Luftstreitkräfte in zwei benachbarten großen Grabfeldern bestattet wurden.

Als der Krieg dann zu Ende war, wurden die begrabenen Amerikaner exhumiert, zwei Drittel davon wurden auf Wunsch der Familien zurück in die USA überführt. Die verbliebenen sterblichen Überreste wurden dann am Friedhof oberhalb der Landungsstelle am Omaha Beach überführt und dort wieder begraben. Nicht alle deutschen Kriegstoten aus der Normandie wurden hier in La Cambe beerdigt, viele davon wurden auch in einzelnen Feldgräbern oder auf kleineren Friedhöfen beigesetzt. Die Mehrzahl der in La Cambe beerdigten fiel zwischen dem 6.Juni und Ende August 1944. Vom Alter her unterschieden sich die Toten sehr stark von den Soldaten der Alliierten Truppen, das Alter der gefallenen Soldaten lag zwischen 16 und 72 Jahren.

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Die anfänglich beschriebene düstere Stimmung konnte ich hier in La Cambe nicht für mich nachvollziehen. Der gesamte Friedhof wirkt vielmehr wie ein Park mit wirklich vielen Bäumen, innerhalb der Grabanlage befinden sich zahlreiche wunderschöne und sehr große Bäume. Diese Bäume, so finde ich verleihen dem deutschen Soldatenfriedhof hier eine ganz besondere Stimmung.

Beide Friedhöfe, der amerikanische oberhalb von Omaha Beach und der deutsche Friedhof in La Cambe sind etwas besonderes. Am deutschen Friedhof viel es mir leichter zu fotografieren, das lag auch an der eher parkähnlichen Anlage dieses Friedhofs. Durch die großen Bäume, mit deren teilweise wirklich riesigen Ästen ist in La Cambe, so finde ich, alles irgendwie intimer und auch ruhiger.

Euer Herbert


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