Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

Normandie #4 - Granville

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Auf der Rückreise von Mont St. Michel ins Quartier in der Nähe vom Omaha Beach machten wir einige Zeit halt in dem Städtchen Granville. An die fotografischen Möglichkeiten in Granville hatte ich keinerlei Erwartungen. Eine Einstellung, die mich in den letzten Jahren ganz gut vor vorgefertigten Motivideen und natürlich auch vor fotografischen Enttäuschungen bewahrt hatte. Ich finde es einfach spannend für die eigene Photographie ohne Bildvorstellungen einen Ort zu besuchen um dann zu sehen, was ich eben SEHE.

Granville ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eigentlich ein Badeort. In den Sommermonaten prägen hier die badenden Gäste das Strandbild.

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So wie eigentlich alle Städte und Orte in Nordfrankreich und in der Normandie, so wurde auch Granville 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Da die Invasion der Alliierten Truppen ab dem 6. Juni 1944 nach anfänglichen Rückschlägen im Hinterland der Landungsstrände erfolgreich war, wurde Granville am 31. Juni 1944 ohne Kämpfe von den deutschen Truppen aufgegeben und geräumt. Auch das Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte richtete sich Anfang September 1944 in Granville ein. Da die Front aber relativ schnell in Richtung Deutschland ausgedehnt wurde, zog das Hauptquartier bald ab, um dem Frontverlauf näher zu sein.

Obwohl die Normandie gut 90 Tage nach der Landung der Alliierten Truppen befreit war, ereignete sich gut zwei Monate vor dem Kriegsende noch eine Auseinandersetzung zwischen einem Kommandotrupp der Wehrmacht und den in Granville stationierten Alliierten. Interessanterweise war diese Aktion auch die letzte Offensive der deutschen Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg.

In der Nacht vom 8. März auf den 9. März 1945 führten ca. 600 deutsche Soldaten auf Booten einen Angriff auf Granville. Diese kleine Offensive ging von der Kanalinsel Jersey aus. Doch bei diesem Handstreich ging es nicht etwa um territoriale Rückeroberung oder um einen im letzten Moment eventuell kriegsentscheidenden Angriff. Es ging dabei um die Erbeutung von Vorräten. Die Alliierten hatten in Granville ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Im Winter entkamen eine handvoller Deutscher und flüchteten mit einem amerikanischen Landungsboot auf die Insel Jersey. Die Kanalinseln waren zu diesem Zeitpunkt immer noch unter deutscher Besatzung, jedoch gingen ihnen die Vorräte für die knapp 30.000 deutschen Soldaten auf den Inseln und die für den Betrieb notwendige Kohle aus. Im Hafen von Granville wurde ja von den Amerikanern Kohle umgeschlagen und verschifft.

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Da sie auf den Inseln ja von jeder Zufuhr abgeschnitten waren, wurde der Überfall auf Granville beschlossen um die notwendigen Vorräte zu beschaffen und um auch die Moral der deutschen Garnison wieder zu stärken. Zuvor gab es im Februar schon einen Versuch den Überfall durchzuführen, dieser wurde jedoch wegen schlechten Wetter und der Entdeckung durch die US-Navy abgebrochen.

Bei diesem Handstreich ging es durchaus sehr blutig zu und wie so oft in den letzten Monaten vor dem Kriegsende im Mai 1945 kamen dabei eigentlich vollkommen unnötig zahlreiche Soldaten um. Beim Überfall sollte die Infrastruktur von Granville, sowie zahlreiche Schiffe zerstört werden. Der Kommandotrupp hatte auch die Aufgabe Gefangene zu befreien und Versorgungsboote zu kapern. Ein Unternehmen, dass angesichts der seit der Landung in der Normandie bestehenden See- und Luftherrschaft der Alliierten Truppen mehr als riskant war. Das Manöver forderte fast dreißig tote Soldaten. Der Angriff wurde auch von deutschen Kriegsgefangenen, die während des Angriffs im Hafen arbeiteten unterstützt.

Überaus erfolgreich war der Beutezug aber dann doch auch wieder nicht. Beim Rückzug auf Jersey stand die Flut so niedrig, dass schlussendlich nur ein einziger Kohlefrachter gekapert und auf die Inseln entführt werden konnte. Interessanterweise war für den 7. Mai 1945 noch ein weiterer Angriff geplant, quasi einen Tag vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Dieser Angriff wurde aber von der deutschen Admiralität aufgrund des unmittelbar bevorstehenden Kriegsendes durch Befehl abgesagt.

Nun, wie die meisten Städte und Orte in der Normandie so hat auch Granville also auch auch eine Geschichte, die mit der Landung der Alliierteren Truppen 1944 zu tun hat.

Bei diesem Besuch hatte ich es nicht geschafft von dem doch sehr interessanten Strand auch noch in die Stadt von Granville zu kommen. Man kann durchaus behaupten, dass der Strand dort wirklich sehr groß ist und man per pedes schon einige Zeit dort unterwegs ist. Beim Fotografieren sieht man dort immer wieder Menschen, die mit einem Sack und einem scharfen Messer bewaffnet sind und dort einfache Muscheln, aber auch Austern von den bei Ebbe freigelegten Felsen kratzen. Es gibt auch einige Hinweisschilder, wieviel jeder Muscheljäger sich pro Person mitnehmen darf.

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Mein Französisch ist ja so gut wie nicht vorhanden, ob ich mit dieser Sprache überhaupt irgendwann klar kommen werde, dass steht in den Sternen. Mir ist überhaupt immer schleierhaft, was denn die Länder wie Italien, Spanien, Portugal und auch Frankreich aus dem lesbarerem Latein gemacht haben. Keine Sprachkenntnisse zu haben, hatte mich aber dann am Strand von Granville auch nicht davon abgehalten eine angeregte Unterhaltung mit einem sehr freundlichen Fischer zu führen. Viel hatte ich nicht verstanden von dem was er mir erzählen wollte, er wahrscheinlich auch nicht von mir.

Als nach unserer sehr lustigen Unterhaltung jeder von uns wieder seiner Wege ging, wünschte ich Ihm „petri heil“ und er mir noch „bon photos“.

Eurer Herbert


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