Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

Normandie #2 - 2020

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02 Juni 2020, 17: 35 Uhr - eigentlich würde ich jetzt am halben Weg in die Normandie sein und gerade ein Quartier für die Nacht suchen. Aus Gründen, die nun im Moment wirklich jedem bekannt sein dürften, bin ich aber heute eben nicht unterwegs nach Frankreich. Laut dem österreichischen Aussenministerium wird das auch noch etwas länger dauern, mindestens bis Mitte Juni bis sich im Bezug auf die Einreise nach Frankreich etwas ändern wird.

Die Situation ist nicht weiter überraschend und war mir eigentlich seit Mitte März auch vollkommen klar. Corona ist nun mal Corona, aber ich sitze jetzt deswegen nicht vollkommen traurig und gelangweilt im Garten und jammere vor mich hin, dass ich jetzt noch nicht nach Frankreich fahren kann. Die Normandie ist seit 1944 gut ohne mir ausgekommen und wird auch in der nächsten Zeit ohne mir weiterbestehen, sämtliche fotografischen Gelegenheiten, die mit der Landung der Alliierten Truppen am 6. Juni 1944 zu tun haben wird es noch eine ganze Zeit lang geben. Nichts läuft mir davon, der Trip findet dann einfach etwas später statt.

In der Zwischenzeit haben sich ja auch für den geplanten Zeitraum in der Normandie, hier in Österreich andere fotografische und interessante Gelegenheiten ergeben.

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Seit ich mit dem analogen Mittelformat arbeite brauche ich für meine Photographien wesentlich länger um diese vollständig durchzusehen, auszusuchen, auszuarbeiten und letztendlich dann auf Papier zu bringen. Obwohl ich jetzt doch intensiver erst seit gut drei Jahren auch analog arbeite, habe ich eigentlich von Anfang an daran gefallen gefunden, nach dem Photographieren mir mit der Entwicklung der Rollfilme etwas Zeit zu lassen und in weiterer Folge bis zu den ersten Abzügen ebenfalls noch Zeit verstreichen zu lassen.

Digital geht es mir seit Anfang des Jahres 2019 auch so. Da liegen im Eingangsordner in Lightroom immer noch Bilddaten von Februar 2019 und von einigen der darauffolgenden Monaten. Früher hätte es das nicht gegeben. Neues digitales Bildmaterial wäre früher von mir zügig abgearbeitet, ausgesucht und entwickelt worden. Doch mittlerweile bekommen auch meine digitalen Negative ausreichend Zeit zum „nachreifen“. Da ich keine fotografischen Auftragsarbeiten mache, sondern lediglich auch aus eigenem Antrieb photographiere ist dieser lange Reifungsprozess mancher Bilder nicht wirklich schlecht.

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So erging es auch den digitalen und analogen Negativen, die letztes Jahr bei meinem ersten Trip in die Normandie entstanden waren. Vom heutigen Standpunkt aus finde ich das gar nicht mehr so schlecht, denn hätte ich meine digitalen Arbeiten aus dem letzten Jahr so abgearbeitet wie ich das früher tat, dann würde es das eine oder andere Photo jetzt gar nicht mehr geben und ich hätte nun keine Chance mehr, darin eine für mich über das letzte Jahr gereiften Qualität zu entdecken.

Die Beschäftigung mit dem restlichen Bildmaterial aus der Normandie aus dem letzten Jahr ist ja auch ein wenig eine „Ersatzhandlung“. Geplant wäre es ja eigentlich gewesen dieses Jahr am 6. Juni, also 76 Jahre nach der Landung der Alliierten Truppen an den Landungstränden wieder fotografisch unterwegs zu sein. Die noch nicht ausgearbeiteten digitalen und analogen Negative haben es daher möglich gemacht, mich mit damit heute „virtuell“ nach Frankreich zu versetzen.

Das dabei von mir noch nicht vollständig gesichtete Material erstreckte sich dabei über alle Orte, die ich bei meiner ersten Normandie Tour im letzten Jahr besucht hatte.

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Den Anfang machen heute Bilder aus Mont-Saint-Michel. Dieser Ort ist sowohl in touristischer Hinsicht, als auch vom fotografischen Standpunkt aus vollkommen überlaufen. Letztes Jahr war ich echt erstaunt darüber, dass man wirklich so viele Menschen auf diese Insel bekommt. Möchte man in diesem Städtchen am Abend Essen gehen, kann es schon mal ein Problem werden für zwei Personen einen freien Tisch zu finden. Da wir dort in der Nähe übernachten wollten, war es pures Glück, dass wir auch noch ein Zimmer gefunden hatten. Es sind dort wirklich jede Menge Touristen unterwegs. Da ich mich gerade an fotografisch überlaufenen Orte nicht so gerne aufhalte, ist es mir manchmal fast etwas zuwider an solchen Orten auch selbst zu fotografieren.

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Doch, das muss man natürlich zugeben, dieses Städtchen hat seinen Charme und wenn man sich nicht in den eh schon zigmal abfotografierten Ansichten von Mont-Saint-Michel ergeht, hat man auch die Möglichkeit dort auch „eigenständigere Ansichten und Motive“ zu finden.

Einen persönlichen Zugang zu dieser Insel fand ich dann auch erst am zweiten Tag am frühen Morgen. Kurzentschlossen schlüpfte ich in meine Wathose und umrundete die Insel von Mont-Saint-Michel, als die Flut gerade begann, sich aus dieser großen Bucht wieder ins Meer zurückzuziehen. Was mich dabei nicht wunderte, dass man dabei auf den Mauern rund um die Stadt auch schon einige Touristen sehen konnte. Mit meiner Wathose im hüfthohen Wasser kam ich mir dabei durch die Touristen schon etwas beobachtet vor und zweifelsohne bin ich dabei auch von einigen Mobiltelefonen fotografiert worden.

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Schliesslich habe ich also doch auch einen Zugang zu meinen übrig gebliebenen Fotos dieser Insel gefunden und auch, falls es sich wieder mal ergeben sollte und ich dieses Touristenbollwerk wieder mal besuchen sollte, auch eine Vorstellung worum es mir dort eigentlich fotografisch gehen wird.

Euer Herbert


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