Es ist keine Kunst, es ist einfach nur Photographie...

Ein photographischer Schatz

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Dr. phil. Heinrich Tauscher, irgendwann in den 1970 und im Doppelbelichtungsexperiment Anfang der 2000 Jahre

Ich habe geerbt.

Nein, es war nicht der unbekannte Onkel aus Amerika, der mir plötzlich und unerwartet ein Vermögen hinterlassen hat. Kein Onkel aus Amerika, kein Vermögen - aber der Onkel Heini aus Wien hat mir seinen photographischen Schatz hinterlassen.

Viele von Euch haben das vielleicht schon mal miterlebt. Jemand aus der Verwandtschaft stirbt und wohl oder übel muss man sich um die Hinterlassenschaft kümmern. Meist ist das doch eher sehr lästig, zeitintensiv und kostspielig vor allem wenn es nicht der besagte Onkel aus Amerika mit dem hinterlassenen, unerwarteten Vermögen war.

Doch hier, in diesem Fall kann ich eigentlich nicht von einer lästigen Pflicht reden, zeitaufwendig ja, mühsam mit Sicherheit, aber keinesfalls eine lästige Pflicht.

Das Erbe meines Onkels hat für mich eher die Qualität eines Schatzes. Eines photographischen Schatzes, den es gilt in der nächsten Zeit zu heben und langsam zu sichten. Mein Onkel hat sich ja eigentlich seit seiner Jugend intensiv mit der Photographie beschäftigt. Sein Vater hatte Ihm damals in der Mittelschule eine Zeiss-Icon Mittelformatkamera geschenkt. Damit hat, die bis zu seinem Tode im Juli 2020 andauernde intensive Beschäftigung mit der Photographie für Ihn begonnen. Ich denke, so rückblickend hatte er ganz besonders großes Interesse an allen technischen Belangen in Punkto Photographie. Die Kamera, die er von seinem Vater, meinem Grossvater, erhalten hatte, konnte man damals schon als betagt bezeichnen. Der sorgsame Umgang mit der Technik wurde ihm also quasi in die photographische Wiege gelegt. Da er Zoologie studierte, konnte er viele Jahre lang sein photographisches Interesse bestens mit seiner zoologischen Tätigkeit verbinden.

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Begegnung alter und neuer Transportmittel, Strassenszene | Italien. 1992. No.: HT1551

Ein Höhepunkt in seinem photographischen Schaffen in Verbindung mit seiner beruflichen Leidenschaft, der Zoologie war mit Sicherheit die Arbeit an einem Werk, dass sich mit seinen Lieblingsinsekten, den Heuschrecken beschäftigte. 1986 erschien von Ihm dann auch ein KOSMOS-NATUR Führer mit dem Titel „Unsere Heuschrecken“.

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Was die von meinem Onkel anderen photographierten Motive anbelangt, hatte ich Ihn eigentlich immer als dokumentarischen Photograph eingeordnet, doch auch das stimmt nicht so ganz wie ich in den letzten Wochen und Monaten bei der teilweisen Durchsicht seiner photographischen Arbeiten bemerkt hatte. Es gibt so einige Bilder in seinem Nachlass, die auf ein ausgesprochen gutes Auge für die verschiedensten interessanten Situationen schliessen lassen. Er war also keinesfalls nur der reine Dokumentar-Photograph, für den ich ihn doch die meiste Zeit gehalten hatte.
Doch was liegt da jetzt so alles vor mir?

Man kann durchaus sagen, ein riesiger Berg an Farb- und SW-Negativen, unzähligen Dias und zu meinem Erstaunen auch etliche Papierbilder. Alle selbst von Ihm in der analogen Dunkelkammer ausgearbeitet und auch eine Unmenge an SW-Bildern, die mir so manche Seiten meines Onkels näher bringen, von denen ich gar nichts wusste.

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Österreichischer/Ungarischer Grenzbereich | Jahr unbekannt. No.: HT1552

Neben dem riesigen Berg an analogen und digitalen Bildmaterial findet sich im Nachlass auch noch eine ganze Menge alter Phototechnik, angefangen bei alten analogen Kameras, seiner ersten digitalen Kamera und alles was danach digital dazugekommen war. Interessantes Detail am Rande, mein zweiter KB Negativ und DIA Scanner, ein Minolta Dimage Scan Dual II, den ich irgendwann Mitte der 2000er Jahre meinem Onkel überlassen hatte, verrichtet jetzt wieder seinen Dienst bei mir. Nun hilft mir dieser Scanner das analoge Filmarchiv meines verstorbenen Onkels zu scannen und zu sichten. Spannend ist auch, dass dieser Scanner nun mittlerweile eigentlich gut 20 Jahre auf dem Buckel hat und immer noch funktioniert.

Mein Onkel hatte mindestens seit Mitte der 1990er Jahre an photographischen Projekten gearbeitet, die ich damals nur teilweise, später auch etwas mehr mitbekommen hatte. Projekte, bei denen er sogar an eine Veröffentlichung in Buchform dachte und sich, wenn auch vergebens, darum bemüht hatte. Sowie einzelne Themen, die Anfang der 2000er Jahre sogar auf einer nicht mehr existierenden Website über Wien teilweise im Netz zu finden waren.

Ja, sogar eine eigene Website, heute eigentlich nichts besonderes mehr, dachte er Anfang 2001 an und machte sich Gedanken, Notizen und auch einen kleinen Entwurf über den Aufbau seiner eigenen Website.

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Vorher Yugoslawien, nachher Slovenien | Slovenien, 1993. No.: HT1553

All diese Dinge, angefangen bei den Photographien, Negativen, Dias, unzähligen digitalen Photographien und Notizen sind mir in Teilen bis jetzt beim Durchsehen des Nachlasses in die Hände gefallen. Ein riesiger Berg an Material liegt noch vor mir. Diese Dinge durchzusehen und einzuordnen bringt mir die Photographie meines Onkels und natürlich auch seine Art und Weise wie er die Welt photographisch gesehen hatte, näher.

Obwohl er immer viel photographierte, so hatte ich doch immer das Gefühl, dass er nur für die eigene Schublade Bilder aufnahm. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich noch in Wien lebte und regelmässiger bei ihm vorbeischaute, da musste man meinem Onkel seine aktuellsten photographischen Aufnahmen quasi immer aus der Nase ziehen. Mit dem Herzeigen seiner Arbeiten, so hatte ich zumindest den Eindruck hatte er es nie so sehr. Da überraschte es mich doch wirklich aus heutiger Sicht, dass doch schon vor langer Zeit an eine eigene Website dachte.

Obwohl ich ja ein Kind der digitalen Fotografie bin und meine ersten Schritte in der Fotografie vor über 20 Jahren im digitalen Bereich machte, so habe ich eigentlich alles was ich über die analoge Fotografie bis zu einem bestimmten Tag erfahren hatte, von ihm gelernt. Manche Menschen sind ja sowieso der Ansicht, dass er mit seinem breit gefächerten Wissen irgendwie auch ein Universalgelehrter war. Das kann ich auf alle Fälle für den Bereich der analogen Fotografie bestätigen. Es gab keine Frage, die nicht bis auf das kleinste Detail in dieser Hinsicht von ihm beantwortet werden konnte. Besonderes Fachwissen hatte er in den Bereichen Makro- und Blitzfotografie im analogen Bereich.

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Blick von Eiffelturm | Eiffelturm, Paris, Frankreich. 1972. No.: HT1554

Mittlerweile bin ich mit ziemlich sicher, dass ich in seiner photographischen Hinterlassenschaft noch eine Menge interessante Arbeiten finden werde. Die photographische Schatzsuche hat erst begonnen und dürfte noch lange nicht vorbei sein. Stellt sich natürlich die Frage, was mache ich dann mit dem ganzen Bildmaterial und der ganzen alten analogen Phototechnik, wenn ich das mal gesichtet habe?

Sicherlich, es ist an sich schon interessant die photographische Welt meines Onkels durch die Beschäftigung mit diesen Dingen kennenzulernen. Doch eigentlich hätte ich persönlich doch eine Freude und viel Spass daran, eine Auswahl seiner Arbeiten irgendwie auch anderen Menschen zugänglich zu machen.

Wie und ob ich eine Auswahl seiner Arbeiten im größeren Überblick im Internet zeigen werde ist mir noch nicht so ganz klar. Eigene Website? Eine Kategorie mit den Bildern meines Onkels im PrintArchiv? Das muss ich mir noch überlegen.

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Husky am Fahrersitz | 2001. No.: HT1555

Aber eine Sache steht jedenfalls schon mal fest. Rund um seinen Geburtstag Anfang August 2021 bekommt er und seine Bilder eine eigene Ausstellung. Da mir ja mit der Tummelplatz Galerie eine eigene Galerie zur Verfügung steht, möchte ich meinem Onkel posthum eine vierwöchige Ausstellung im nächsten Jahr widmen.

Also „save the date“ wie man so schön sagt...

AUSSTELLUNG
Photographische Sammlung Dr. phil. Heinrich Tauscher 1950 - 2020
Ausstellungsdauer: Do 5.8.2021 - Do 2.9.2021
Vernissage Do 5.8.2021 um 19:00 Uhr

Tummelplatz Galerie - Linz

Euer Herbert


2 Beiträge zum Thema "Photograpischer Schatz"

Lieber Herbert, im Namen von Heini, der mehr als dreißig Jahre seines Lebens mit mir geteilt hat, möchte ich Dir danke sagen. Es tut mir unendlich leid, dass er das nicht mehr erleben darf. Aber noch viel mehr als über die bevorstehende Ausstellung (Du weißt ja, er stand nie gerne im Mittelpunkt) hätte er sich über Deine Wertschätzung gefreut, die ihm, so glaube ich, nie so richtig bewußt war. DANKE!

Renate Pesl, 16. Dezember 2020 15:39



Unverhofft kommt man zu solchen Dingen - und ich bin mir sicher, du findest einen guten Weg und die Zeit dazu, diesen Schatz zu heben und in entsprechender Weise zu präsentieren. Ich freu mich schon auf diese Ausstellung!

Günther Gröger, 16. Dezember 2020 11:54



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