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Fest der Natur 2018 - Herbert Koeppel FineArt Photography and Workshops


Nach insgesamt fünf Jahren ist die Teilnahme am Fest der Natur in Linz mittlerweile zu einem jährlichen Fixpunkt geworden. So auch wieder dieses Jahr. Der Aufbau des Standes, bzw. dessen Endergebnis ist für mich immer eine Überraschung. In den acht Stunden, die ich an so einem Tag am Stand verbringe ergeben sich immer wieder interessante Gespräche und kuriose Beobachtungen rund um die Festbesucher, die bei mir am Stand und meinen Fotografien hängen bleiben.

Gespräch Nr. 1, drehte sich mal gleich um fotografische Technik. Ganz ehrlich, seit einiger Zeit nicht mehr unbedingt so mein Lieblingsthema in der Fotografie. Bei der Unterhaltung ist mir wieder mal aufgefallen, dass es gar nicht so leicht ist ein Stativ zu erwerben, dass den persönlichen Anforderungen entspricht. Mir ergeht es ja im Moment auch so, zwar mit einem Stativ-Kopf, einen Getriebeneiger, aber die Entscheidung für welchen, fällt auch mir nicht unbedingt ganz leicht. Online bekommst Du zwar alles, aber das fühlt sich immer an, wie die Katze im Sack zu kaufen. Ja, ich weiss man kann alles wieder retourschicken. Aber diese Vorgehensweise beim Shoppen kann es auch nicht sein. Mein Vorschlag für die Foto-Händler. Kümmert Euch mal ein wenig um diejenigen, die sich echt schwer tun, eine passende Stativ/Kopf-Kombination zu kaufen. Vielleicht macht Ihr mal eine Veranstaltung rund um das Stativ mit verschiedenen Stativ-Anbietern.

Ein kurzes Gespräch drehte sich um das Thema „Kalender“ und begann mit der Frage, ob es denn mit meinen Fotografien auch einen Kalender gibt. „Nein“, antwortete ich wahrheitsgemäss darauf. Einige von Euch kennen ja meine Meinung über Kalenderfotos. Es fühlt sich irgendwie seltsam und irritierend an, da über meine eigenen Fotografien in einem Kalender nachzudenken.

Etwas, dass mich bei der heurigen Veranstaltung auch wieder fasziniert hatte, war die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne vieler unserer Mitmenschen. Manche bleiben lange am Stand und sehen sich alles ganz genau an. Manche schaffen es kaum eine handvoller Fotografien durchzusehen, bis Sie von anderen Dingen vollkommen abgelenkt werden und völlig vergessen, dass Sie eigentlich ursprünglich vor den Fotografien mit der Aussage „Mei, sind das geile Bilder!!!“ stehen geblieben sind. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches so um die 10s liegt. Aus eigner Erfahrung kann ich sagen, da ist der Goldfisch mittlerweile vielen unserer Mitmenschen überlegen.

Kunst lockt Kunst an, stelle ich immer wieder fest. Im Laufe so eines Tages ist eigentlich immer jemand unter den Standbesuchern, der selbstgemachte Kunst, bzw. deren Fotografien vollkommen selbstverständlich aus dem Hosensack zieht und mir zeigt. Ganz ehrlich, nicht immer ist da wirklich sehenswertes dabei. Doch dieses mal schon. Ein Mann, ein Goldschmied hatte wirklich schöne Fotografien von seinen Acrylbildern mit dabei. Hinterher tut es mir wirklich leid, dass ich jetzt hier keines der Bilder zeigen kann. Ich kann nur hoffen, dass er irgendwann mal die Chance ergreift und seine Malereien öffentlich zeigt.

Apropos Malerei... Von einigen Standbesucher kamen auch heuer wieder Fragen wie „Malen Sie selber?“, „Ist das eine Zeichnung?“, Seit wann kannst Du so schön zeichnen?“. Ich empfinde diese Fragen und Aussagen immer als Kompliment. Warum? Weil einer der Gründe, warum ich zur Kamera greife, die Tatsache ist, dass ich nicht zeichnen kann. Aber irgendwie dürfte ich es doch können, oder? Zumindest kommt es manchen Menschen, die meine Fotografien betrachten so vor.

Aufgelegt war auch die Frage eines Besuchers „Ob ich auch Farbbilder habe?“, „Nein“ antwortete ich darauf. Mein Stand war ja ausschliesslich mit SW-Arbeiten bestückt. Dann kam die Frage „Warum?“. Also antwortete ich darauf „Ich habe für mich festgestellt, dass ich mich mittels der Farbfotografie nicht so ausdrücken und künstlerisch verwirklichen kann, wie ich es möchte.“ Die nächsten Sekunden blickte ich in ein verdutztes Gesicht, das durch ein langgezogenes „Aaaaha“ noch unterstrichen wurde. Warum das denn so verwunderlich war, konnte ich nicht mehr nachfragen. Der Besucher tauchte wieder in die Menschenmenge am Fest ein. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er seine Aufmerksamkeitsspanne überschritten hatte....

Nachdem ich am Fest der Natur meine ersten Ikebana-Fotografien ausstellte, wurde ich prompt von einer Besucherin als der Ikebana-Fotograf erkannt. Nicht weil ich schon deswegen berühmt bin. Nein, weil Sie eine der beiden Ikebana-Lehrerinnen kennt, in deren Kurs ich die Blumen-Arrangements der Teilnehmerinnen fotografieren darf. Wer jetzt glaubt, beim Ikebana, da steckt man einfach ein paar Blumen in eine Vase, der irrt sich ganz schön. Es ist auf alle Fälle mehr als blosses Blumenstecken und folgt bestimmten Regeln und Gedanken. Man nennt es nicht umsonst den Blumen-Weg. Falls jemand von Euch Lust hat, den Blumen-Weg, das Ikebana zu lernen oder einfach mal auszuprobieren, dann kann ich Euch Fr. Höfer und Fr. Födinger-Wieder von
Ikebana-Linz nur empfehlen.


Ikebana Study Nr. 18 - Nageire, Seitenstetten - Austria. 2018


Etwas das noch viel Spass gemacht hat und für kurzweilige Unterhaltung gesorgt hatte, war eine junge Frau, die irgendwie mit Ihrer alten FED 1 bei mir am Fest der Natur gelandet ist. Sie hatte diese alte Kamera, die nach 1935 auf den Markt kam, von Ihrem Grossvater geerbt und wollte nun damit fotografieren. Da hat es mich gepackt und ich wollte Ihr bei den ersten Schritten mit dieser Kamera helfen. Die üblichen Dinge, wie Zeit und Blende zum Einstellen waren ja schnell gefunden. Was uns dann aber länger beschäftigt hatte und woran wir dann aber schlussendlich gemeinsam gescheitert sind, war das Einlegen eines Film. Klar, es ist im Prinzip ein Leica-M Klon, also Bodenplatte runter und Film rein. Aber, eben da hat es gehakt. Irgendwie hat der Einfedel-Mechanismus nicht funktioniert. Weiss irgendjemand wie das bei dieser Kamera funktioniert? Na jedenfalls bin ich gespannt, ob Sie sich nochmal bei mir meldet und wir mal versuchen gemeinsam einen SW-Film zu belichten und in der Dunkelkammer auszuarbeiten.


Fed-2


Letzte Woche hatte ich auch einen dreitägigen Workshop zum Thema SW. Drei Teilnehmer, Sabine, Cornelia und Hubertus waren dabei mit mir unterwegs um letztendlich am dritten Tag großformatige Prints Ihrer Arbeiten vor sich liegen zu haben. Wirklich bemerkenswert bei diesem Workshop war Sabine beim Entwickeln Ihrer Fotografien. Ihm Rahmen des Workshops arbeitete sie zum ersten mal mit Lightroom und dessen selektiven Werkzeugen. Noch nie hatte ich jemanden so akribisch damit Maskierungen anlegen sehen, der dabei noch absoluter Anfänger in Sachen Bildbearbeitung war. Wirklich cool fand ich auch, dass sich Sabine nach wirklich sehr langer fotografischer Abstinenz gleich in einen SW-Workshop stürzte. Das traut sich auch nicht jeder und beweist, dass es durchaus auch gut ist, kreative Dinge einfach anzugehen und nicht lange darüber nachzudenken.

Bei so einem Workshop nimmt ja jeder das für sich mit, was für Ihn oder sie sinnvoll und wichtig erscheint. Es hat mich auch besonders gefreut, dass Cornelia Ihre dunklere Seite, was die Ausarbeitung Ihre SW-Arbeiten anging, ausprobierte und mit Ihren Bildergebnissen wirklich zufrieden war. Jeder der drei hat, so denke ich, für sich und die eigene Fotografie wichtige Dinge vom Workshop mitnehmen können und ich bin schon gespannt darauf beim nächsten Treffen wieder Fotografien der drei zu sehen.


© Cornelia - Workshop Monochrom Juni 2018© Cornelia - Workshop Monochrom Juni 2018
© Hubertus - Workshop Monochrom Juni 2018© Hubertus - Workshop Monochrom Juni 2018
© Sabine - Workshop Monochrom Juni 2018© Sabine - Workshop Monochrom Juni 2018


Zum Abschluss noch zwei Dinge.

Warum wird man als Fotograf immer auf seine Ausrüstung reduziert und als Profi abgestempelt. Wir hatten beim SW-Workshop eine Begegnung mit einem Kellner der meinte „Wow, Ihr habt ja eine tolle Ausrüstung. Ihr müsst ja Profis sein!!!“. Mittlerweile bin ich bei solchen Aussagen schon etwas beleidigt. Zeigt es doch, dass auch der Gedanke dahintersteckt, dass es nur auf die Ausrüstung ankommt und auf sonst nichts. Ich versuche dann immer aufzuklären und bringe das Beispiel, dass man z.B. zu einem Maler auch nicht sagt „Wow, sie verwenden aber einen professionellen Pinsel!“, wenn er ein Bild malt, oder?
Gute Ausrüstung macht noch lange kein ansprechendes Bild, dass kann ich Euch sagen. Das sollte jetzt endlich mal in die Köpfe rein.

Die zweite Sache die mir heuer am Fest der Natur etwas ungut aufgefallen ist, ist folgende. Was tun einige Menschen heute, wenn Ihnen eine auf einem Stand angebotene Fotografie gefällt? Das Bild kaufen?
NEIN! Sie zücken Ihr Mobiltelefon und machen ein Foto davon!! Es wird noch besser, es fragt auch niemand ob er das überhaupt machen darf!! JA, geht es noch Leute, man fotografiert nicht einfach angebotene Fotografien, wenn einem diese gefallen. Wenn Euch das Bild wirklich gefällt, dann fragt nach dem Preis und wenn Euer Wunsch das Bild zu besitzen mit dem Preis vereinbar ist, dann kauft die Fotografie doch einfach bitte. Ab jetzt wird von mir bei solchen Gelegenheiten kommuniziert, dass das Fotografieren meiner Fotografien nicht erwünscht ist.


Gut Licht & Happy Printing - Eurer Herbert


PS: Derjenige oder diejenige, die zuerst herausfindet was es mit der Nummerierung dieser Rückblende genau auf sich hat, gewinnt damit einen meiner Prints aus meinem Print-Portfolio. Welchen Print kann man sich natürlich selbst aussuchen! Raten könnt Ihr bis kommenden Sonntag, 24.6.2018.

Update zum PS: Cool, nicht ganz drei Stunden nach dem Posten hat Andreas mir mitgeteilt, was es mit der Nummerierung der Rückblende auf sich hat. Gratulation Andreas, Du kannst dir einen Print aus meinem
Print-Portfolio aussuchen.


Texthinweis: Dieser und andere Texte stellen meine ganz persönliche Meinung dar und drehen sich um Dinge, die mich im Rahmen der Fotografie beschäftigen und werden von mir immer absolut subjektiv wiedergegeben. Klar dabei ist, dass weder ich, noch irgendjemand anderer einen Anspruch auf die ultimative Wahrheit hat.