Zurück an der Taugl #2

Viele Fotografen*, die in den letzten Jahren im Gebiet der Taugl waren, haben auch den Davidgraben besucht, wie schon erwähnt ist das heute der Foto-Hotspot an der Taugl. Eine Sache, die mich immer wieder verwundert hatte, war, dass die meisten Aufnahmen aus dem Davidgraben eigentlich immer mit „Taugl“ falsch beschriftet waren. Auf ihrem Weg in die Salzach münden ja über hundert kleinere und große Seitenbäche in die Taugl. Der Red Canyon oder die rote Klamm, wie die Bezeichnungen manchmal lauten, ist aber halt eben nicht die Taugl selbst, sondern einfach nur ein Seitenbach.

Die steinerne Landschaft der Taugl hat bei mir in den Jahren der Beschäftigung damit, wieder das Interesse für Geologie aufflammen lassen. Bietet doch der Flussverlauf einzigartige Einblicke in die Sedimentationsgeschichte der nördlichen Kalkalpen. Diese Schichtung ist im Verlauf der Taugl durch den Einschnitt des Wassers sehr gut sichtbar und aufgeschlossen. Also, eine wahre Freude, wenn man nicht nur hinter Fotografien her ist, sondern sich auch für die Geologie interessiert.

Red Canyon-Davidgraben Study #1/2014 | Taugl, Salzburg, Austria. 2014. No.: D1137

Die tiefsten sichtbaren Glieder der geologischen Schichtenfolge sind die, für die Flusslandschaft charakteristischen roten, knolligen Kalke der Adneter Schichten. Hier sticht besonders der Davidgraben hervor durch seine schönen Formen, die immer wieder Fotografen* anzieht. Startet man z.B. mal via Google-Search eine Suche nach den Begriffen „taugl red canyon“ so findet man ein Suchergebnis, dem hier gezeigten nicht unähnlich. Daran sieht man gleich, wo der Hotspot im Davidgraben ist und wie ähnlich sich die dabei entstandenen Bilder eigentlich immer sind.

taugl_reg_canon_google_search

Zugegeben, „genau“ dieses Motiv nicht mehr so ähnlich zu fotografieren, da gehört schon etwas dazu. Denn macht man ein, den hier gezeigten Bilder ähnliches, dann ist man auf der sicheren Seite im Bezug auf Likes und Daumen hoch. Kreativ ist das zwar nicht, aber das muss jeder Fotograf* irgendwie für sich selbst beantworten. Man findet in diesem Graben schon andere Motive. Dafür muss man sich aber etwas bemühen und versuchen aus der sicheren Komfortzone des üblichen Motivs auszubrechen. Interessanterweise hatte ich über die Jahre schon Teilnehmer*, die mit mir im Davidgraben waren, die dann genau dieses Motiv eben so nicht mehr fotografierten, bzw. sogar gar mehr aufnahmen.

Red Canyon-Davidgraben Study #2/2014 | Taugl, Salzburg, Austria. 2014. No.: D1138

Noch etwas zum ROT im Davidgraben (Red Canyon, rote Klamm) wie man an dem Google-Suchergebnis gut erkennen kann sind die Geschmäcker im Bezug auf die Farben sehr unterschiedlich und bei weiteren Bildern in diesem Suchergebnis sogar sehr übertrieben. Zwar verändert der rote Knollenkalk im Davidgraben mit der Witterung seine Farbintensität, doch nicht in diesem Ausmass wie manche Bilder es zeigen. Woran das liegt? Hmm, am Geschmack des Fotografen*, an der Bildbearbeitung an irgendwelchen Monitoren, da gibt es wahrscheinlich sehr viele Gründe für so manche Farbexzesse bei Bildern aus dem Davidgraben. Witzig finde ich nur, dass gerade viele Naturfotografen dann immer behaupten, die Felswände hätten genau diese Farben gehabt, wie man sie auf den Fotos sehen kann.

Red Canyon-Davidgraben Study #3/2014 | Taugl, Salzburg, Austria. 2014. No.: D1139

Dadurch, dass mein Interesse an der Geologie durch die Fotografie in diesem Gebiet geweckt wurde, hat meine Entwicklung in Richtung Schwarz-Weiss Fotografie ganz gut gepasst. Die Farben waren es eigentlich nie, die mich dort am Gestein so fasziniert hatten. Es waren die Formen, Texturen sowie die unterschiedlichen Schattierungen und Schichtungen der Gesteine. Hatte ich natürlich auch Probleme mit der Farbwiedergabe des Davidgrabens in den Jahren davor, so hat sich das einfach schlagartig geändert durch die Darstellung ohne Farbe.

Euer
Herbert


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Texthinweis: Dieser und andere Texte stellen meine ganz persönlichen Meinungen und Erfahrungen dar und werden von mir immer absolut subjektiv wiedergegeben. Klar dabei ist, dass weder ich, noch irgendjemand anderer einen Anspruch auf die ultimative Wahrheit hat. Mit Teilnehmer/Fotografen* sind hier weibliche als auch männliche TeilnehmerInnen u. FotografInnen angesprochen. Gleichberechtigung hat nichts mit dem "gendern" von Texten zu tun.
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