EnnsStones #2

Auch folgende Aufnahmen entstanden am selben Tag, dem letzten Tag des Jahres 2014. Meine ersten Aufnahmen (EnnsStones) hatte ich nur machen können, da ich eine meiner Wathosen an die Enns mitgenommen hatte. Denn Ende Dezember, ohne Wathose nur mit Winterstiefel für längere Zeit im Wasser zu stehen, das wäre mit Sicherheit eine ganz ordentliche Verkühlung geworden.

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Die ersten paar Besuche hatten mir schon interessante Motive beschert. Doch durch den leichten Schneefall und die doch niedrigen Temperaturen, waren die nun freiliegenden Gesteine und Schichten im Flussbett der Enns mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Eine Gelegenheit, die sich dann bis zum Schluss der Serie nicht mehr ergeben sollte. Also nutzte ich diese Chance auf ein paar Fotos, auch wenn man bei diesen Aufnahmen, die interessanten Formen des Gesteins durch den Schnee nicht wirklich sehen konnte.

An älteren eigenen Bildern, erkennt man oft auch die eigene Entwicklung. Bei diesem Bild würde ich heute im Hintergrund bei den Bäumen noch andere interessante Ausschnitte finden. Damals dachte ich bei der Bildkomposition noch klassischer im Bezug auf die Landschaftsfotografie. Es hatte, während ich an diesem Tag an der Enns unterwegs war noch leicht geschneit, das war mir dort eigentlich gar nicht so sehr aufgefallen. Erst wie ich die Bilder dann am Computer durchsah, vielen mir die leichten Streifen des Schneefalls am unteren Bildrand auf.

Frostig war es an diesem Tag. Durch den niedrigen Pegelstand der Enns floss das Wasser nur sehr langsam. An manchen Stellen war es auch schon leicht gefroren und bildete schöne und interessante Muster in der frischen, noch dünnen Eisschicht. Durch den regelkonformen Landschaftsblick hatte ich mir damals diesen gefrorenen Bereich jedoch nicht näher angesehen. Etwas, dass heute nur mehr durch einen Ausschnitt aus dem vorhandenem Material in etwa möglich ist.

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In diesem Jahr hatte ich durch meine fotografischen Exkursionen im Winter am Dachstein Hochplateau einen ersten Einblick auf eine fotografische Richtung, die heute gerne als minimalistische Fotografie bezeichnet wird verschafft. Etwas weiter oben am Ufer der Enns lag damals mehr Schnee. Durch die dünne Schneedecke zeichneten sich die Formen des Gesteins unterhalb ab. An manchen Stellen ragten noch Stengel von Gewächsen durch den Schnee. Dort fand ich dann auch ein Motiv, das eigentlich nur aus „Weiss“, ein paar Formen und einigen dünnen Ästen besteht. Im Winter bei Schnee, muss man immer recht aufpassen, damit man sich nicht mit den eigenen Fussabdrücken im Schnee das Motiv unbrauchbar macht.

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Obwohl mir der kurze Wintereinbruch an diesem Tag sehr schöne Möglichkeiten geschaffen hatte, so war meine ursprüngliche Motivation zur Fotografie an der Enns eigentlich die Geologie, die durch den niedrigen Pegelstand der Enns zum Vorschein gekommen war. Mir war schon aufgefallen, dass ein Teil dieser Schichten wirklich „weich“ waren und viele schöne Formen durch die Bewegung von größeren und kleineren Kieselsteinen durch das Wasser entstanden sein müssen. Auch wenn dieser Flussabschnitt irgendwann in der Zukunft wieder durch geringe Wasserführung für längere Zeit an die Oberfläche kommen sollte, so wären die Formen dann aber auch mit Sicherheit andere. Denn das Geschiebe der Enns arbeitete sicherlich unter Wasser unermüdlich an anderen und neuen Formen in diesen weichen Ablagerungen.

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Im März des nächsten Jahres klärte sich dann für mich um welches Gestein, aus welchem Erdzeitalter und wie alt diese Formationen sind durch einen Kontakt zur Geologischen Bundesanstalt in Wien. Doch dazu beim nächsten mal.

Jedenfalls war das der einzige Tag von meinen insgesamt zwanzig Fototouren an den beiden Ufern der Enns, bei dem ich dort Schnee liegen hatte. An allen anderen Tagen konnte ich mich ohne Schnee, den verschiedenen Formen der sichtbar gewordenen Gesteine widmen.

Euer
Herbert

EnnsStones #1 #2

[english Version…]

Texthinweis: Dieser und andere Texte stellen meine ganz persönlichen Meinungen und Erfahrungen dar und werden von mir immer absolut subjektiv wiedergegeben. Klar dabei ist, dass weder ich, noch irgendjemand anderer einen Anspruch auf die ultimative Wahrheit hat. Mit Teilnehmer/Fotografen* sind hier weibliche als auch männliche TeilnehmerInnen u. FotografInnen angesprochen. Gleichberechtigung hat nichts mit dem "gendern" von Texten zu tun.
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