ZURÜCK IN DEN WALD... Part 2

Das erste Bild im Wienerwald/The first picture in the Vienna Woods | Wienerwald, Lower Austria, Austria. 2005. No.: D975
Das erste Bild im Wienerwald/The first picture in the Vienna Woods | Wienerwald, Lower Austria, Austria. 2005. No.: D975

Das erste Bild im Wald - im März 2005. Was den Nebel damals anging, hätte diese Aufnahme glatt auch im November entstehen können. Schemenhafte Buchenstämme im Hintergrund, dichter Nebel und die dunkle Form einer jungen Buche mit vereinzelten Blättern aus dem alten Jahr. Bei manchen Menschen rufen solche Stimmungen den November-Blues hervor.

Was hat mich damals vor über 14 Jahren dazu bewogen dieses Bild aufzunehmen?
Ich würde lügen, wenn ich das wirklich noch wüsste. Heute, mit meinen jetzigen Erfahrungen würde ich sagen, es waren wohl diese dünnen, dunklen und jungen Äste im Vordergrund, die mich damals dieses Motiv festhalten haben lassen. Wie sich der Blick doch verändert mit der Zeit. Jetzt suche ich im Wald sehr bewusst nach solchen Formen.

Klarerweise war es damals auch ein Farbbild und wurde im 3:2 Hochformat von mir aufgenommen. Das 3:2 Format wird ja von vielen Fotografen* heute immer noch so behandelt, als wäre diesem Seitenverhältnis in der Bibel ein eigenes Kapitel gewidmet. Das ich damals auch so dachte, möchte ich gar nicht ausschliessen. Bilder so zu zeigen, wie von der Kamera gesehen, das entsprach ja damals auch meinem naturfotografischen Ansatz.

Im Zuge der Neuinterpretation dieses Bildes sind mir diese dünnen, dunklen Buchenäste im Vordergrund (wieder) aufgefallen. Nicht nur, dass diese Äste einen Kontrast im wahrsten Sinne des Wortes (hell-dunkel) mit dem Hintergrund bilden. Auch einen Kontrast in der Form zwischen den jungen, dünnen, dunklen Ästen und den geradlinigen Stämmen im Hintergrund findet man. Die junge Buche hat sich somit in der Form von Ihren Artgenossen* sehr stark unterschieden.

Beim Betrachten des heutigen Bildes stellt sich für mich die Frage, ob diese Buche noch dort steht und somit in den letzten 14 Jahren weiter wachsen konnte? Oder wurde sie von Wind und Wetter umgeformt bzw. sogar in irgendeiner Form entwurzelt. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Buche, wenn sie noch da ist, nicht mehr die Form von vor 14 Jahren haben wird.

Das trifft, wenn ich so darüber nachdenke ja auch auf uns Menschen zu. Würde ich es in fotografischer Hinsicht begrüssen wenn sich die Buche entsprechend der Form vor 14 Jahren weiterentwickelt hätte, so würde es mich wundern wenn sich an einem Menschen innerhalb dieser Zeitspannen nichts verändert hätte. Betrachte ich mich dabei selbst, dann bin ich heute - was die Fotografie - angeht jemand völlig anderer. Meine ganze Art über die Fotografie zu denken und auch die daraus resultierenden Ergebnisse haben sich im Gegensatz zu vor 14 Jahren sehr verändert. Vieles, vor allem die Technik ist nicht mehr so wichtig in fotografischen Dingen und verstellt mir dadurch nicht mehr meinen Blick.

Aber eigentlich nicht nur im Bereich Fotografie ist es mir mit Veränderungen in diesem Zeitraum so ergangen. In der Verkleidung von kleineren und größeren Katastrophen hatte ich auch sehr viel Raum zum Wachsen und zur Veränderung. Meine Lebensweichen wurden in dieser Zeit nicht nur einmal neu gestellt. Mir dabei die asiatische Einstellung anzueignen, dass jede Krise auch gleichzeitig eine Chance ist, hat dabei sehr geholfen.

Jedenfalls hoffe ich doch, das diese Buche ebenfalls Raum und Platz hatte um sich ihrem Naturell entsprechend zu entwickeln und zu wachsen. Wenn Sie dabei Ihre schönen Formen, Ihrer damals jungen Äste beibehalten konnte so unterscheidet sie sich sicherlich von den anderen Buchen die in Ihrer Umgebung wachsen.

Zurück in den Wald... Part I

Euer Herbert

Texthinweis: Dieser und andere Texte stellen meine ganz persönlichen Meinungen und Erfahrungen dar und werden von mir immer absolut subjektiv wiedergegeben. Klar dabei ist, dass weder ich, noch irgendjemand anderer einen Anspruch auf die ultimative Wahrheit hat. Mit Teilnehmer/Fotografen* sind hier weibliche als auch männliche TeilnehmerInnen u. FotografInnen angesprochen. Gleichberechtigung hat nichts mit dem "gendern" von Texten zu tun.
blog comments powered by Disqus