Endlich (auch) ANALOG...

Schon länger wollte ich mal über meine bisherigen, persönlichen Erfahrungen mit der analogen Fotografie ein paar Zeilen verfassen. Vor knapp etwas mehr als zwei Jahren hatte ich meinen Entschluss auch analog SchwarzWeiss zu fotografieren endlich auch nach langer Rederei zu diesem Thema in die Tat umgesetzt.

Eiserner Vorhang/Iron Curtain Study #13 | Ceska republika. 2020. No.:  A1012Eiserner Vorhang/Iron Curtain Study #13 | Ceska republika. 2020. No.:  A1012Eiserner Vorhang/Iron Curtain Study #14 | Ceska republika. 2020. No.:  A1013

2013/2014 merkte ich in der Rückschau, dass eigentlich fast 2/3 meiner damaligen digitalen Arbeiten am Ende als Schwarz/Weiss Fotografien existierten. Darauf hin beschloss ich, dass ich mich mit der digitalen SW-Fotografie mehr beschäftigen müsste, was ich dann auch tat. Das darauf folgende Jahr 2015 war für mich ein Experiment. Ich wollte für mich herausfinden, wie es ist ausschließlich nur mehr digitale SW-Fotografie zu machen.

Es hat dann aber nicht sehr lange gedauert , bis ich bemerkte, dass die SW-Fotografie genau mein Ding war. Meine Arbeiten in SW fingen mir an besser zu gefallen, als meine bisherigen Arbeiten in Farbe. Beschäftigt man sich mit der SW-Fotografie, wenn auch digital, dann kommt man nicht umhin auch mit der analogen Fotografie - zumindest in der Theorie - in Berührung zu kommen. Nach dem SW-Experiment-Jahr war mir klar, dass ich mich auch irgendwann mit der analogen Seite der SW-Fotografie beschäftigen wollte. Bis es aber dazu kam, dauerte es noch etwas.

Anfang 2018 machte ich dann endlich meine ersten Versuche in der analogen Fotografie. Dadurch, dass ich digital nur mehr quadratische Bilder machte lag der logische Schluss nahe analog auch im Format 1:1 zu arbeiten. Klar um es mir einfacher zu machen experimentierte ich Anfangs auch mit der guten alten KB-Fotografie. Das 3:2 Format gefiel mir bei meinen eigenen Arbeiten aber damals schon gar nicht mehr, also blieb ich beim analogen quadratischen Mittelformat.

Old tree/ Alter Baum | Gesäuse/Ennstal, Stryria, Austria 2019. No.: A1010Rural winter foggy mood / Ländliche winterliche Nebelstimmung | Gesäuse/Ennstal, Styria, Austria 2020. No.: A1008Dunkle Berge/Dark Mountains | Gesäuse, Styria, Austria. 2019. No.: A1006Bauminsel/Tree island | Gesäuse, Stryria, Austria 2019. A1003

Doch warum eigentlich in Zeiten der digitalen Fotografie, sich die umständliche, langsame und zeitraubende analoge Fotografie antun? Ist Analog etwa besser als die digitale Fotografie? Zunächst ist das eine gute Frage und die Antwort darauf ob die analoge Fotografie besser als die digitale Fotografie ist, wäre ein „NEIN“. Nicht besser, einfach ANDERS. Persönlich wollte ich wissen, wie es ist mit einer analogen, quadratischen Mittelformat-Kamera zu arbeiten. Zunächst noch etwas feig. Die analoge Kamera war zu Gast im digitalen Fotorucksack. In letzter Zeit muss die Digitale öfter mal daheim bleiben um der analogen Kamera mehr Platz im Rucksack zu verschaffen.


Ich traue mich jetzt einfach auch nur „analog“ unterwegs zu sein. Die Digitale mitzunehmen war so eine Art Sicherheitsnetz. Ein Netz, dass mich eigentlich auch daran gehindert hatte einfach mehr analog zu fotografieren. In letzter Zeit heisst es für mich entweder digital oder analog. Zwar hakt die analoge Technik noch ab und wann, immerhin verwende ich keine Hasselblad sondern Kameras aus dem ehemaligen ostdeutschen Raum. Dazu kommt noch, dass ja auch mal bei der Belichtung etwas schiefgehen kann oder man experimentiert mit einer etwas zu alter Filmchemie und macht sich dadurch ein paar Rollfilme unbrauchbar. Im Gegensatz zur Dummy-sicheren digitalen Fotografie kann da schon mehr schiefgehen.

Der Überraschungsfaktor ist aber auch etwas ganz anderes. Denn es gibt nach dem Auslösen keine Bildkontrolle und das Negativ, bzw. den ersten Testabzug sehe ich auch oft erst Wochen nach der Aufnahme. Man geht auch nicht mal schnell in die Dunkelkammer und entwickelt mal rasch einen Abzug. Es dauert einfach alles länger. Dieses „länger dauern“ ist auch etwas, das ich an dieser Art der Fotografie schätze. In vielen Bereichen, so auch in der digitalen Fotografie steht das Wort digital oft stellvertretend für „schnell“. Im Gegensatz dazu bremst einem alles analoge aus, vorausgesetzt man hat es auch gerne langsam.

See through/ Durchschauen | Waldviertel, Lower Austria. Austria. 2019. No.: A1009 Bäume / Trees | Waldviertel, Lower Austria. Austria 2019. A1007Mirrorworld/Spiegelwelt | Waldviertel, Lower Austria. Austria 2019. A1004

Etwas, dass mir von Anfang an ein Anliegen war, dass die analoge Fotografie auch analog bleibt. Von der Aufnahme bis zum Abzug, sollte alles auf analogen/chemischen Wege entstehen. Kein Einscannen, keine hybride analoge/digitale Arbeitsweise. Einfach nur analog, von A bis Z. Einzig der Scan für die Darstellung im Internet (Webseite etc.) entsteht mit einem einfachen Flachbrett-Scanner. Ansonsten soll es meine analog entstandenen Fotografien auch nur analog geben. Klar ist das alles umständlich und langsam. Aber wisst Ihr was, das ist mir vollkommen egal. Es macht echt Spass mit dem analogen Gerät zu arbeiten, es macht echt Freude einen Rollfilm selbst zu entwickeln und es ist echt spannend ein Bild auf chemischen Wege entstehen zu sehen.


Analoge Fotografie ist für die Fotografie ohne (digitalem) Netz. Befreit von Megapixel & Co ist es ein Prozess der von sich aus eine gewisse Langsamkeit produziert und ein Prozess bei dem man auch die gewohnte digitale Kontrolle aufgeben muss. Ist der Auslöser erstmal gedrückt, dann gibt es keine Bildkontrolle. Dieser Prozess hat für mich schon in der Aufnahmephase etwas Endgültigeres, nicht Wiederholbares und auch Überraschenderes als die digitale Fotografie. Es ging mir auch nie darum herauszufinden, ob digital oder analog besser ist. Eigentlich ist diese Frage für mich vollkommen irrelevant. Diese beiden Prozesse unterscheiden sich für mich sehr und produzieren daher auch unterschiedliche Ergebnisse. Es ist so als ob man mit Bleistift oder mit Kohle zeichnet. Analoge und digitale Fotografie sind einfach unterschiedliche Techniken um Abbilder zu erzeugen.

Obstbaum/fruit tree | Taunleiten, St. Florian, Upper Austria, Austria. 2019. No.: A1002Bambus/bamboo | Garten/Jardin Claude Monet, Giverny, Normandy, France. 2019. No.: A1005

In vieler Hinsicht wird mir die analoge Fotografie neue Arten des Sehens und neue, andere Möglichkeiten der Entwicklung bringen. Das analoge Ausarbeitungen mehr der Schritt zum „echten“ Einzelstück ohne künstliche Limitierungen sind ist mir schon klar geworden. Denn im Gegensatz zum Pigment-Print, gleicht kein handgefertigter chemischer Abzug dem nächsten Abzug. Selbst wenn man die eigenen Entwicklungsaufzeichnungen genau befolgt. Im handgefertigten Prozess selbst liegt ein gewisser Unikat-Charakter.

Nun zu welchen Bilder mich das Ganze führen wird, werde ich in den nächsten Jahren sehen.

Meine analogen Arbeiten findet Ihr im
Traditional Silver Darkroom Print Archive.

Also, dann viel Spass mit Eurer Fotografie, egal ob digital oder analog ...

Euer Herbert

Texthinweis: Dieser und andere Texte stellen meine ganz persönlichen Meinungen und Erfahrungen dar und werden von mir immer absolut subjektiv wiedergegeben. Klar dabei ist, dass weder ich, noch irgendjemand anderer einen Anspruch auf die ultimative Wahrheit hat. Mit Teilnehmer/Fotografen* sind hier weibliche als auch männliche TeilnehmerInnen u. FotografInnen angesprochen. Gleichberechtigung hat nichts mit dem "gendern" von Texten zu tun.
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