Kleine Statue/Small statue | Hardegg, Waldviertel, Lower Austria, Austria. 2019. No.: D923

Gedanken nach dem Testlauf zu master YOUR photography

Der Testlauf für meinen neuen Workshop „master YOUR photography“ ist vor zehn Tagen über die Bühne gegangen. An einem Donnerstag Abend sind Cornelia, Andrea, Brigitte und Michael zusammengekommen um mit mir gemeinsam einen Testlauf über drei Tage für meinen neuen Workshop durchzuführen. Dafür möchte ich mich gleich bei allen nochmals bedanken, denn es ist nicht selbstverständlich, dass die vier, knapp drei Tage Ihrer Lebenszeit dafür zur Verfügung gestellt hatten.

Von meiner Seite aus gab es einige Unsicherheiten im Hinblick auf die Durchführung, den Ort, die Themen, das Wetter und natürlich alle anderen Dinge, an die man gar nicht denkt. Im Rückblick hat beim Testlauf nicht alles immer funktioniert, nicht alles war notwendig, manches war überraschend und eine ganze Menge während der drei Tage hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Einer der Gründe, die mich zu diesem Workshop gebracht hatten war der langsam wachsende Anspruch aus dem üblichen Workshop-(Naturfotografie)-Mainstream auszubrechen. Seit einer Veranstaltung im vergangenen Sommer ist bei mir der Wunsch immer größer geworden, Teilnehmern* einen Mehrwert zu bieten, der über das blosse „Wir gehen gemeinsam fotografieren!!!“ und „Jeder hat am Ende des Workshops einen Print in der Hand“ hinausgeht. Nicht das, was man fotografiert definiert unbedingt gute Fotografie. Auch nicht das Genre, in dem man sich bewegt bedeutet gleich das man gute Fotografie macht. Gute Fotografie berührt vor allem den Fotografen*, sowie manchmal auch den Bildbetrachter und geht über das Zeigen von blosser Schönheit hinaus. Es geht letztendlich darum, dass ein Fotograf* seinen ganz eigenen Blick auf eine bestimmte Sache zeigt und dadurch natürlich auch etwas über sich selbst preisgibt. Es war mir daher wichtig, für mich auch einen Workshop zu (er)finden, der nicht unbedingt nur die naturfotografische Schublade weiterhin bedient.

herbert-koeppel-com-photography-and-workshops-_B010137-3502

Es wäre ja eigentlich viel zu schade, die vielen anderen fotografischen Möglichkeiten zu ignorieren durch die man sich als Fotograf* ausdrücken könnte.

Die Teilnehmer* nicht nur einfach „ausschwärmen“ und „irgendetwas fotografieren“ zu lassen ist ein wichtiges Element meines „master YOUR photography“ Workshops. Ihnen eine Richtung, ein Thema und auch eine Aufgabe zugeben ist mir in diesem Rahmen sehr wichtig. Dadurch sollen sie üben, Ihre ganz eigene Sicht umzusetzen. Eine schöne Landschaft einfach festzuhalten ist dabei eigentlich schon zu wenig. In diesem Zusammenhang war es für mich spannend zu sehen, wie die Teilnehmer* darauf reagieren über die eigentlichen Themen erst bei der ersten Zusammenkunft etwas zu erfahren. Erst nach dem Verteilen des Info-Materials gab es für die Teilnehmer* darüber Klarheit. Das hat eigentlich klaglos funktioniert und ist bei den Teilnehmern* auf keinen Widerstand gestossen. In abgewandelter und erweiterter Form wird es dieses Prozedere im Bezug auf die Motive und die Aufgabenstellung auch bei den weiteren Ausgaben dieses Workshops in Zukunft geben.

Im Rahmen von Workshops bzw. durch die Veröffentlichung der eigenen fotografischen Arbeiten keine Nachahmer heranzuziehen kann man leider nicht komplett vermeiden. Bei diesem Workshop wollte ich von Anfang an, die Eigenständigkeit der Fotografen* besonders unterstützen und auch fordern. Daher war es mir auch wichtig keine Beispielbilder zu den Themen zu zeigen. Diese Art von Beeinflussung wollte ich ganz bewusst vermeiden, den meiner Erfahrung nach nimmt es Fotografen* die Chance „ganz eigene Bildideen“ zu entwickeln und zu verwirklichen.

Eisener Vorgang/Iron Curtain Study #5 | Ceska republika. 2019. No.: D941

Nicht nur durch diesen Umstand, sondern auch durch viele weitere Dinge im Laufe dieser drei Tage hat sich gezeigt, an welche Zielgruppe ich mich eigentlich mit diesem Workshop wenden möchte. Dieser Workshop ist nicht für fotografische Anfänger gedacht und geeignet. Personen, die dabei mitmachen möchten sollten und müssen über einen gewissen Grad an fotografischer Eigenständigkeit verfügen. Ein Grad, der über die fotografischen Grundlagen hinausgehen muss. Eine Eigenständigkeit, die sich auch in Ihren eigenen Fotografien zeigen sollte und sich auch darin ausdrückt, dass die teilnehmenden Fotografen* nicht nur fotografieren um Anerkennung im Sinne von Likes, Herzchen oder Daumen Hoch zu bekommen. Diese Fotografen* müssen bereit sein Ihre eigene Sicht der Dinge in den Mittelpunkt zu stellen ohne dabei „unbedingt“ mit Ihren eigenen Fotografien „gefallen“ zu wollen. Fotografen* die nur auf Anerkennung bzw. auf fotografische Wettbewerbserfolge abzielen, werden sich mit Sicherheit dabei im falschen Workshop wiederfinden.

Inspiration ist ein weiteres und sehr wichtiges Element von „master YOUR photography“. Die Bildpräsentationen der Teilnehmer* im Rahmen dieser Tage ist dabei eines der Herzstücke dieses Workshops. Klarerweise haben nicht alle, die von den Teilnehmern* mitgebrachten Arbeiten auch allen „ausnahmslos“ gefallen. Das ist aber eine ganz normale Angelegenheit in der Fotografie und auch wichtig. Viel zu oft wird schon fast „mantraartig“ wiederholt, dass die Arbeiten von bestimmten Fotografen „genial“, „super“ und besonders „toll“ seien. Sich eine ganz eigene Meinung beim Betrachten von fotografischen Arbeiten anderer zu bilden ist für die eigene Entwicklung besonders wichtig.

Im Vorfeld hatte ich es zwar angekündigt, doch nicht alle hatten dann schliesslich auch daran gedacht, auch noch anderes Inspirationsmaterial in Form von fotografischen Büchern, Bildbänden und Büchern aus anderen Genres mitzubringen. Es ging dabei darum Material herzuzeigen aus dem man selbst Inspiration zieht und damit den Horizont der anderen Teilnehmern* eventuell auch zu erweitern. Das meiste Material wurde beim Testlauf von mir selbst mitgebracht. Das diese Inspirationsquellen nicht nur für mich wichtig sind, zeigte sich für mich auch darin, dass doch das eine oder andere davon auch über den Testlauf hinaus ausgeborgt wurde.

Eisener Vorgang/Iron Curtain Study #11 | Ceska republika. 2019. No.: D947

Alles in Allem hat mir dieser Testlauf gezeigt worauf es ankommt, welche Dinge funktionieren und welche nicht. Die eine oder andere Rückmeldung von einem der Vier wird noch bei mir im digitalen Postfach landen und natürlich in irgendeiner Art und Weise sich dann auf die Form des nächsten Workshops „master YOUR photography“ auswirken.

Vielen Dank nochmal an Euch Vier für Eure Zeit.


Euer Herbert

Texthinweis: Dieser und andere Texte stellen meine ganz persönlichen Meinungen und Erfahrungen dar und werden von mir immer absolut subjektiv wiedergegeben. Klar dabei ist, dass weder ich, noch irgendjemand anderer einen Anspruch auf die ultimative Wahrheit hat. Mit Teilnehmer/Fotografen* sind hier weibliche als auch männliche TeilnehmerInnen u. FotografInnen angesprochen. Gleichberechtigung hat nichts mit dem "gendern" von Texten zu tun.
blog comments powered by Disqus